Aufrufe
vor 6 Monaten

Nr. 1 / 2018

  • Text
  • Kinder
  • Eltern
  • Grosseltern
  • Schweizer
  • Kindern
  • Hausapotheke
  • Teddyzeit
  • Zeit
  • Mutter
  • Wichtig
Das Magazin für junge Eltern

Sicherheit, Liebe und

Sicherheit, Liebe und Geborgenheit Die Tatsache, dass Eltern ihre Kinder mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit, ihren Stärken und Schwächen sowie ihren Bedürfnissen am besten kennen und der Fakt, dass Eltern von Grund auf intuitive Kompetenz besitzen, ist die Grundlage für eine gelingende und zufriedenstellende Erziehung. Ein Thema, das viele Eltern beschäftigt, ist das Schlafen. Die meisten Kinder schlafen im ersten Lebensjahr nicht durch, manche werden nur zum Stillen munter, andere versuchen die Nacht zum Tag zu machen, und alleine im eigenen Zimmer zu schlafen geht bei vielen Babys die ersten Monate gar nicht. Das Grundbedürfnis, nahe bei den Eltern zu schlafen, ist ein evolutionäres Relikt, das die Überlebenschancen erhöht hat. Kultur hat sich in dieser Hinsicht schneller entwickelt als Natur. Dass vielen Kindern ein eigenes Kinderzimmer zum Schlafen zur Verfügung steht, ist – auch in unseren Breitengraden – noch gar nicht so lange üblich. Doch im Moment, wo ein Paar zum ersten Mal ein Kind anvertraut bekommt, entsteht ein übergrosses Bedürfnis, möglichst alles zu tun, um dessen Entwicklung zu unterstützen, es zu beschützen und zu begleiten, wo immer es geht. Gegensatz pur: Besonders die in den USA populär gewordene Ferber-Methode ist umstritten (nach dem Kinderarzt Richard Ferber). Den Eltern wird geraten, das Baby oder Kleinkind alleine schreien zu lassen, bis es einschläft. Es gibt die Vorstellung, man dürfe den kindlichen Bedürfnissen nicht immer nachgeben, weil sonst das Kind nicht gross werden kann. Aber beim Schlafen beispielsweise geht es nicht um Erziehung, sondern darum, dass sich das Kind entspannen kann. Das kennen Erwachsene doch auch. Wer gewohnt ist, neben seinem Partner oder seiner Partnerin einzuschlafen, dem fehlt etwas, wenn die nicht da sind. Ebenso ergeht es den Kindern. Aber die schöpfen die Sicherheit nicht aus sich selber, sondern aus mächtigen, starken Bezugspersonen, die sie beschützen. Gerade deshalb ist die Zeit der jungen Elternschaft oft von Zweifeln, Ängsten und Sorgen geprägt; denn schnell liegt es auf der Hand: Patentrezepte gibt es nicht. Erziehen und leben mit Kindern Trotz allen Angeboten von aussen gilt es nicht zu vergessen, dass niemand so geeignet ist Kinder zu erziehen und zu begleiten, wie deren Eltern. Sehr oft sind es auch persönliche Beziehungserfahrungen, die die Kindererziehung beeinflussen können. Ausserdem kann die Fülle an Informationen, die aus dem Umfeld, aber auch aus Ratgebern oder in Form von Fachmeinungen kommen, verwirrend und verunsichernd sein. Ein Austausch mit anderen Eltern kann eben diese Unsicherheit reduzieren. Auch Elternbildungsveranstaltungen 4 TeddyZeit 2018 SCHWEIZER Hausapotheke

ündeln meist das Gros an Informationen zu verschiedenen Eltern-Themen und dienen ebenso zur Stärkung elterlicher Kompetenz. Professionelle Beratung oder Begleitung können in Krisenzeiten unterstützen. Unabhängig davon, wie der eigene Erziehungsstil konkret aussieht, herausfordernd ist Erziehung in jedem Fall. Denn Erziehen und Leben mit Kindern bewegt sich immer im Spannungsfeld von Ermöglichen, Ermutigen, Bewahren und Schützen. Es ist die grundlegende Aufgabe von Eltern, dem Kind eine sichere Umgebung zu schaffen, in der es sich selbständig und seinem Entwicklungsstand gemäss frei bewegen und bewähren kann. Eltern in der Schlüsselrolle Höflichkeit und Anstand sind wichtig für das Zusammenleben. Mit der Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen sind nämlich auch gemeinsame Mahlzeiten als Familie seltener geworden, und in Kitas oder im Hort gibt es kaum Zeit, um auf Tischkultur zu achten. Umso wichtiger ist es, jede Möglichkeit im Alltag zum Vorleben guter Manieren beim Essen zu Hause oder auch mal gemeinsam im Restaurant zu nutzen. Eltern sollten ihren Kindern schon früh gute Benimm-Dich-Vorgaben wie Danke, Bitte, Entschuldigung beibringen, von Anfang an für Rücksichtnahme, einen respektvollen Umgang gegenüber anderen, gute Kommunikation und überhaupt für eine gute Kinderstube – dazu gehört auch die Begrüssung mit Augenkontakt und Händedruck – sorgen. Denn letztlich möchten auch Kinder ihre Sache gut machen – und bei anderen gut ankommen. Natürlich erfordert das Durchsetzen solcher Regeln gute Nerven und viel Geduld, aber der Einsatz lohnt sich. Auch Wut, Zorn, Verlieren im Spiel, Ablehnung und Tränen sind in jeder Kinderstube normal, aber die Reaktionen der Eltern darauf sollten nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Allerdings hilft auch ein gut gemeintes Gewährenlassen den Kindern nicht weiter. Zielführender ist ein sogenanntes Gefühls- Coaching, bei dem die Eltern mit den Kindern über die aufgekommenen negativen Emotionen sprechen, Empathie bezeugen und ihnen Wege aufzeigen, wie man damit umgehen kann. Wenn sich Erwachsene in dieser bejahenden, wohlwollenden Haltung Kindern zuwenden, dann erhalten diese Mut und Auftrieb für ihr Leben; das heisst, aus ihnen werden Menschen, die geben und nehmen können, während es mit zunehmendem Alter aufwändiger wird, schlechte Gewohnheiten abzustreifen. Loben, verwöhnen – bitte mit Grund Erziehungsberater betonen immer, wie wichtig es sei, die Kinder auch zu loben. Das stimmt; denn ein Lob am richtigen Ort kann motivieren und stärkt das Selbstwertgefühl des Kindes. Lob soll einen Grund haben. Doch auch Negatives liegt wie in vielen Dingen im Detail. Denn nicht jedes Lob hilft weiter. Es ist besser, nach einer erfolgreich gelösten Aufgabe das Bemühen des Kindes zu loben als mit seiner Intelligenz zu prahlen oder gar vor anderen damit anzugeben. Immer alle Wünsche des Kindes zu erfüllen, fördert das Anspruchsdenken. Wenn sich ein Kind etwas wünscht, was Eltern sich nicht leisten können, ist es gut, ihm zu erklären, warum man nicht über seine Verhältnisse leben sollte. Vielleicht müssen ein Ausflug oder Ferien gestrichen werden. So kann erklärt werden, dass Enttäuschungen zum Leben gehören, und eben auch aufzeigen, wie man selbst damit umgeht. Kinder auf das Erwachsensein vorzubereiten ist besser, als sie vor allen Problemen abzuschirmen. Doch gerade in den letzten Jahren wurde Eltern oft geraten, den Wünschen ihrer Kinder nachzugeben, sie zu loben, auch wenn es gar nichts zu loben gibt, und mit Erziehungsmassnahmen sparsam zu sein. Die Überlegung dahinter: Wenn man Kindern das Gefühl gibt, sie seien etwas Besonderes, entwickeln sie gesundes Selbstbewusstsein. Das Ergebnis? Im Buch «Generation Me» heisst es: «Anstelle von ausgeglichenen, glücklichen Kindern hat das «Self-Esteem-Movement» (Erziehungsidee, die auf die Steigerung des Selbstwertgefühls abzielt) ein Heer kleiner Narzissten hervorgebracht.» Zum anderen gibt es auch die äussere Verwöhnung, wobei das Kind mit Materiellem – Geschenke, Spielsachen – und immateriellem – Zärtlichkeiten, Versprechen – überhäuft wird, was zu einer grossen Anspruchshaltung führen kann. Verwöhnte Kinder, später als Erwachsene, lernen nur zu wünschen, zu erhalten und zu haben, aber es fehlt ihnen weitgehend die Perspektive des Schenkens, Einfühlens und des Grosszügigseins mit anderen. Die Folgen können gravierend sein. Viele Kinder, die immer nur gelobt und übermässig verwöhnt werden, sind als Erwachsene nicht auf Kritik, Enttäuschungen und Misserfolge vorbereitet. Da ihnen beigebracht wurde, zuallererst an sich zu denken, fällt es ihnen schwer, später dauerhafte Beziehungen mit anderen aufzubauen. Daher leiden viele von ihnen später unter Ängsten und Depressionen. Ein gesundes Selbstwertgefühl bei Kindern wächst nicht dadurch, dass sie immer wieder gesagt bekommen, wie grossartig sie sind, sondern durch eigene Erfolgserlebnisse. Dafür müssen Kinder nicht nur an sich selbst glauben. Sie müssen auch nützliche Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben und sich durch Übung weiter verbessern. Um ein Kind für eine Aufgabe zu motivieren, kann eine Art Belohnung sicher helfen, sei dies ein Lob oder etwas, das ihm Spass macht. Erziehung zwischen übermässigem Loben und Verwöhnen und striktem Grenzensetzen ist eine Kunst, die eine gute Eltern-Kind-Beziehung, also eine verantwortungsvolle Haltung des Erziehenden dem Kind gegenüber voraussetzt. Jacqueline Trachsel SCHWEIZER Hausapotheke TeddyZeit 2018 5

Unsere Zeitschriften

Schweizer Hausapotheke

Nr. 7 / 2018
Nr. 6 / 2018
Nr. 5 / 2018
Nr. 1 / 2018
Nr. 4 / 2018
Nr. 3 / 2018
Nr. 2 / 2018
Nr. 1 / 2018
Nr. 8 / 2017
Nr. 7 / 2017
Nr. 6 / 2017
Beckenbodentraining