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Nr. 1 Februar/März 2018

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Schweizer Hausapotheke 1/18 – Gesunde Lektüre seit 1929

Musse geniessen Musse

Musse geniessen Musse ist ein veraltetes Wort, das kaum noch jemand kennt. Dabei wäre es gerade in der heutigen Zeit wichtig, sich ihr hinzugeben, sich zu entspannen und im wahrsten Sinn des Wortes mal alles abzuschalten. Doch wie soll das gehen in einer Welt, die sich den elektronischen Geräten unterordnet? E- Mail-Überflutung, Facebook-Sucht, Tweets, WhatsApp, SMS, RRS-Feeds, stundenlanges Surfen etc.: Sehr viele Menschen leben heutzutage im Stand-by-Modus. Immer mehr sind sie von ihrem Smartphone, Tablet, bzw. dem Internet abhängig: 24 Stunden online, den Tag zerhacken zwischen den verschiedenen Möglichkeiten. Der dauernde Wechsel zwischen den verschiedenen Online-Möglichkeiten ist unglaublich anstrengend, macht nervös und verhindert nicht nur produktives Arbeiten, sondern auch, sich der Musse, diesem schönen, altmodischen Wort, hinzugeben! Wie bringt man es fertig, in der Freizeit «herunterzufahren»? Immer verfügbar? Dass Arbeit überall verfügbar ist, kann nämlich zum Problem werden. Das heisst aber nicht, dass die digitalen Medien grundsätzlich Stress machen. Je nachdem, wie gut sie eingesetzt und genutzt werden, sind sie auch eine Möglichkeit, eine Situation besser bewältigen zu können. Das Problem sind nicht die Geräte, auf die sowieso niemand mehr verzichten will und kann, sondern die Einstellung zu ihnen und überhaupt die Haltung zur Arbeit oder vielmehr zum Beschäftigtsein. Denn die Gesellschaft achtet den Beschäftigten und misstraut dem Müssiggänger! Nicht umsonst gibt es dieses passende Sprichwort: «Müssiggang ist aller Laster Anfang.» In der Umgangssprache besitzt der Müssiggang – im Gegensatz zur Musse – eine negative Konnotation als Laster und wird in der Regel mit Faulheit in Verbindung gebracht. Faulheit oder Trägheit zählt in der christlichen Theologie zu den sieben Hauptlastern, den «Wurzeln» von lässlichen Sünden oder Todsünden. Müssiggang bedeutet das Aufsuchen der Musse, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder körperlichen Belastungen. Er geht zum Beispiel mit geistigen Genüssen oder leichten, vergnüglichen Tätigkeiten einher, kann jedoch auch das reine Nichtstun bedeuten (aus Wikipedia). Man muss kein Workaholic sein, um zu erfahren, wie stark einen die durchdigitalisierte Welt beansprucht. Die meisten von uns überlegen sich wohl selten, was unsereins beim sinnlosen Surfen, Online-Shoppen oder während eines digitalen Tratschs an Zeit verplempert. Irgendwo gibt es immer was zu tun, immer blinkt oder klingelt es wieder. So haben wir auch dauernd das Gefühl, dass wir keine Zeit haben oder uns die Zeit davonrennt! Wenn man ständig abgelenkt wird, wenn Zeitdruck und Hektik dazukommen, ist Dauerstress die Folge. Bereits gibt es einen Namen für diese Stresssymptome: «Attention Deficit Trait» nennt der Harvard-Arzt Edward M. Hallowell diese Kommunikationskrankheit, deren Symptome Konzentrationsprobleme, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne sowie eine geringe Frustrationstoleranz sind. Ein ebenfalls neu aufgetauchtes Krankheitsbild nennt sich «Nomophobie», die Angst, ohne Mobiltelefonkontakt zu sein! Als Folge gibt es schon seit längerem Digitaltherapeutinnen, die Menschen mit einer digitalen Abhängigkeit bzw. Sucht behandeln! «Warum haben wir keine Zeit, obwohl wir mit Hilfe der Technik immer mehr Zeit sparen?», fragt Ulrich Schnabel in seinem Buch «Musse – Vom Glück des Nichtstuns». Die Antwort ist so einfach wie schwierig zugleich: «Weil mit den Möglichkeiten auch unsere Ansprüche steigen. Dieser Mechanismus führt zu «Opportunitätskosten»: Je grösser die Auswahl, umso schwerer fällt die Entscheidung und umso gestresster fühlen wir uns. Musse hängt daher wesentlich davon ab, ob wir uns auch einmal beschränken und ganz auf eine Sache konzentrieren können.» Sun-Snack: Trockenfrüchte Für beerenstarke Abwehrkräfte 38 Schweizer Hausapotheke 1-2018

Gegenbewegung Wehmut könnte einem überkommen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie das Computerzeitalter in knapp drei Jahrzehnten dermassen an Einfluss gewonnen hat. Vielleicht tröstlich ist, dass bereits eine Gegenbewegung aktiv geworden ist, die genug von der allgegenwärtigen digitalen Welt hat. So titelte jüngst «Die Zeit»: «Schalt. Mich. Aus.» Mit Wehmut denkt man zurück: Jahrtausendelang lebten unsere Vorfahren, waren dies nun Höhlenbewohner oder Ackerbauern, überall auf der Welt im Rhythmus der Tages- und Jahreszeiten: Saat und Ernte, Jagd und Sammeltätigkeiten, dann wieder Musse. Anspannung, Entspannung, Anspannung, Entspannung. Mit dem Industriezeitalter erhoffte man sich Erleichterung: Die Maschinen nahmen den Menschen viele Lasten ab, das elektrische Licht machte die Nacht zum Tag, und all das galt als grosser Fortschritt, als Erleichterung. Und doch wurden genau auf diese Weise die Voraussetzungen für die 24-stündige Nonstop-Arbeit geschaffen, die heute gang und gäbe ist. Und dann stellte sich das digitale Zeitalter ein! Eine strikte, auch räumliche Trennung von Arbeit und Freizeit ist ein Phänomen der Neuzeit. Freizeit dient der Entspannung sowie der persönlichen Entfaltung und der Pflege sozialer Kontakte. Der Mensch nutzt die Zeit für das, was ihm persönlich wichtig ist. Doch Kritiker der modernen Auffassung von Freizeit sind der Meinung, dass die Freizeit keine wirklich freie Zeit sei. Sie bleibe der Arbeit untergeordnet; denn in der Freizeit könne man nicht tun, was man wolle, weil man sich erholen müsse. Raum schaffen für Musse Nichts tun, sich der Musse hinzugeben erscheint schwierig, wenn einem die elektronischen Geräte nicht mehr loslassen. Dabei ergäbe sich daraus die Möglichkeit, sich selber zu spüren, sich zu fragen: Was beschäftigt mich, was tut mir gut? Was interessiert mich eigentlich? Nicht dauernd auf sein Handy zu starren eröffnet die Möglichkeit, etwas von der Welt um einen herum wahrzunehmen! Doch viele Erwachsene haben Mühe damit, Leere auszuhalten, nichts zu tun, ja sie langweilen sich vielleicht sogar dabei. Die Verführung ist deshalb gross, sich auch in der Freizeit und vor allem in den Ferien ein nahtloses Programm zusammenzustellen, das keinen Raum für Musse und Nichtstun lässt. Gerne lässt man sich von Reiseangeboten verführen wie Ayurveda in Indien, Klosterurlaub auf Mallorca oder Planschen im Schwefel-Spa auf einer Karibikinsel. Je exotischer und aufwändiger es tönt, umso mehr Musse scheint das Angebot zu versprechen! Doch das Gegenteil sei richtig, meint Ulrich Schnabel: Eine Fernreise will vorbereitet und finanziert sein, ein langer Flug steht bevor, vor Ort gilt es, sich zu akklimatisieren und zurechtzufinden, was unter Umständen nicht unerheblichen Stress für Körper und Psyche bedeutet. Und gerade wenn man anfängt sich zu entspannen, steht der Rückflug schon bevor! Ulrich Schnabel bringt einen ungewöhnlichen Vorschlag: «Statt sich den Stress einer Fernreise zu «gönnen», käme man der Musse vermutlich näher, wenn man das Geld vier Wochen in eine Köchin und einen Butler investierte und sich zuhause einmal richtig verwöhnen liesse.» «Musse», so schreibt auch die österreichische Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny, «ist die Intensität des Augenblicks, der sich zeitlich zu Stunden oder Tagen ausdehnen kann, um sich auf ein Einziges zu konzentrieren: Eigenzeit.» Buchtipp Ulrich Schnabel: «Musse – Vom Glück des Nichtstuns». Blessing Verlag Elisabeth Bürkler ist freischaffende Journalistin BR mit den Schwerpunkten Familie, Kinder und Paarbeziehung. DIE NATIONALE HÖRSTUDIE 2018 WIE GUT HÖRT DIE SCHWEIZ? Amplifon führt gemeinsam mit Phonak die nationale Hörstudie durch, um mehr über das Hörvermögen und die Hörbedürfnisse der Schweizerinnen und Schweizer der Generation 50+ zu erfahren. Forschen Sie mit – es lohnt sich auf jeden Fall! 1. Kostenlose Höranalyse machen 2. Bei einem Hörverlust modernste Hörgeräte anpassen lassen 3. Hörgeräte gratis und unverbindlich testen 4. Fragebogen zur Hörstudie ausfüllen und CHF 50.–* in bar erhalten CHF Jetzt teilnehmen & 50.– in bar erhalten!* Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme! MEHR INFOS UNTER nationale-hörstudie.ch GRATISNUMMER 0800 800 881 * Gilt für die ersten 1000 Personen, die Hörgeräte getestet und den Studienfragebogen ausgefüllt haben. Anmeldung bis 31. März 2018. STUDIENPARTNER Schweizer Hausapotheke 1-2018 39

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