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Nr. 2 / 2018

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90 Jahre – modern wie nie! In der aktuellen Ausgabe der Schweizer Hausapotheke biegen wir ein ins Jubiläumsjahr. Unter anderem beleuchten wir wie es früher war. Als Vergleichsquelle diente unser Archiv..

Singen Sie!? Singen ist

Singen Sie!? Singen ist eine wichtige Verbindung von innen nach innen. Neben der Berührung ist die Stimme das wichtigste Kontaktorgan zwischen Kind und Eltern, zwischen Menschen überhaupt. Sie ist ein historisch und entwicklungspsychologisch erstrangiges Mittel für Verständigung und Kulturvermittlung. Singen und Musik tradieren Gefühle durch die Jahrhunderte und verbinden den Erdkreis. Schon sehr früh in der Entwicklung – möglicherweise schon vor der Geburt – ist die Stimme der Mutter eine zentrale Verbindung zwischen ihr und ihrem Kind. Ihre Stimme tönt für das Neugeborene beruhigend, da sie ihm sagt: Die Mutter und ihre Geborgenheit ist da. Nach der Geburt tritt als zweites Orientierungsorgan die Geruchsbeziehung hinzu, die das Erkennen ihrer Nähe ergänzt. Die Stimme Die Stimme drückt – im Gegensatz zu geschriebenen Worten – nicht nur einen geistigen Inhalt aus, sondern vermittelt auch unmittelbar Gefühle. Das Lehnwort «Emotionen» führt uns auf eine weitere Fährte: Motion bedeutet lateinisch Bewegung. Die E-motion – der Ausdruck unserer inneren Bewegung – teilt sich über die Stimme direkt den Mitmenschen mit. Über tönende Stimme und hörendes Ohr ist unser Inneres also direkt mit dem Inneren des Sprechenden verbunden. Sind unsere Ohren nicht durch zu viel Lärmmüll betört oder verkümmert, verstehen wir unsere Mitmenschen in ihrem Gefühlsgehalt noch vor dem sprachlichen Verständnis. Und dies ist die Situation 50 Schweizer Hausapotheke 2-2018 der Kleinsten, bevor Ablenkung und Verbildung diese Kenntnisquellen eventuell verstopfen. «Vom Herzen möge es zum Herzen gehen» (Beet hovens Widmung für sein Chorwerk «Missa solemnis»). Unsere Stimme ist für die Entwicklung des Menschen sowohl psychologisch als auch stammesgeschichtlich ein Sonderfall. Zwar haben auch Tiere Stimmen und tauschen sich durch Lautgebung aus. Aber diese Wandelbarkeit und Vielfalt an Tönen, Untertönen, Lautstärken und schliesslich Rhythmik, Melodie- und Wortgestaltung kennen wir – jedenfalls bisher – nirgends ausser bei Menschen. Wiegenlieder Wahrscheinlich ist das Wiegenlied die Urform allen Singens. Noch vor jedem Sprachverständnis ist die Stimmmodulation – ob spontan kreativ oder im traditionellen Lied geformt – die früheste Mitteilung an das Kind. Diese vorsprachliche, stimmliche Kommunikation nennen wir Singen. Es braucht noch keine Stimmbildung oder Kunstverfeinerung, um auf das eigene Kind beruhigend zu wirken. Über die vertraute Stimme stellt sich eine ungewöhnliche Intimität ein. Und daher wirken Schlaflieder so beruhigend. Ob Singsang, Summen oder gelernte Kinderreime: Dem Kind ist gleichgültig, ob die Mutter «singen kann». In seinen Ohren sind die vertrauten Klänge wichtiger als der «Sound». Daher wird es bis weit in die Kindergartenzeit hinein den selbstproduzierten Klang der elterlichen Stimmen den erst heute möglichen elektronischen Lautsprechertönen vorziehen – wenn es denn wählen kann. Das Wiegenlied ist die Urkommunikation für den Säugling. Er wird bald versuchen nachzukrächzen, was ihm so wichtig ist. Selber Töne zu produzieren und sich selber zu hören löst eine tiefe Befriedigung aus. Schön, wenn andere antworten, einstimmen, zustimmen. Eigenen Tönen zuhören hilft auch, sich selber zu beruhigen. Nicht von ungefähr sagt das Sprichwort, dass das Pfeifen im Walde gut ist gegen die Angst vor Einsamkeit und Verlassenheit. Singen Wenn wir die tiefgreifende Bedeutung von Singen für die früheste Lebenszeit begriffen haben und ihre Dimensionen für das Miteinander und für den Bezug zu sich selber verstehen, können

wir die gemeinschaftsbildende Aufgabe des Singens besser erfassen. Lieder transportieren nicht nur Inhalte. Chorgesang oder Singen in der Klasse ist eine verbindende Tätigkeit – ein im gemeinsamen Tun hergestelltes Gruppengefühl. Besonders positiv ist, dass es nicht auf Konkurrenz abzielt. Im Gegenteil wird das Einfügen in den gemeinsamen Sound höher gewertet als das Hervorstechen mit der eigenen Stimme: Für narzisstische Kinder, die es schlecht ertragen, «nur» eines unter gleichen zu sein, kann dies eine pädagogisch wichtige Herausforderung sein, an der es viel zu lernen gibt. Aber auch für gruppenfähigere Kinder ist der Stellenwert des Schulgesanges im pädagogischen Kanon nicht hoch genug einzuschätzen. Er ist zumindest dem Ziel sportlicher Ertüchtigung gleichzustellen. Meines Erachtens werden Singen und Musik – manchmal auf das Hören von Songs reduziert – in der Diskussion um Bildungsziele gewaltig unterschätzt. Ich glaube, dass mangelnder Schulgesang nicht nur eine kulturelle Verarmung ist, sondern auch das Erziehungsziel der Sozialkompetenz deutlich schwächt. Neben den erwähnten emotionalen und geistigen Werten des Singens gibt es auch noch körperlichen und gesundheitlichen Gewinn: Da Singen zentral mit Atmen verbunden ist, hilft regelmässiges Singen auch zur Verbesserung der Atmung. Mit Singen verbundene Entspannung und die im Singen ausgelösten Körperresonanzen tragen zudem mächtig zu verbesserter Körpersensibilität (Selbstwahrnehmung) und so auch zum Stressabbau bei. Musik Das ist Musik in meinen Ohren. Die Redewendung greift die Bedeutung von Musik in der mitmenschlichen und kulturellen Dimension auf: Musik zielt auf Harmonie, Einverständnis, ja Völkerverbindung. Musik wird eingesetzt bei allen wichtigen Gemeinschaftsereignissen: An Festen, Hochzeiten und Totenfeiern, Paraden, Länderspielen oder in Gottesdiensten wird musiziert. Der gemeinsame Sinn aller Musik ist es, die Teilnehmenden in eine gemeinsame Stimmung zu bringen, also gefühlte Gemeinsamkeit herzustellen. Musik teilt sich über alle Sprachbarrieren hinweg den Hörenden – und stärker noch den Mitsingenden – mit. Dadurch erzeugt sie zumeist Hochstimmung, Freude und Glücksgefühle der Zugehörigkeit. Für manche wirkt sie gar heilend. Nicht zufällig verwendet unsere Sprache in der Musikbeobachtung dieselben Begriffe, die wir für die Beschreibung von Gruppenprozessen und -zuständen in der Sozialpsychologie benutzen: Harmonie, Disharmonie, gute Stimmung oder Verstimmungen, Zusammenspiel, Einstimmen usw. Musik ist Gefühlskommunikation. Sie kann verhärten und kampfbereit machen (wollen), sie kann in Trauer einstimmen, sie kann zusammenschweissen, Aufruhr anstacheln oder Trost und Beschwichtigung spenden. Oft ist sie stärker in ihrer Wirkung und wird von den Hörern rascher verstanden als das gesprochene Wort. Generationen- und völkerverbindend Aus der komponierten Musik wird die Stimmung früherer Generationen erlebbar. Wenn wir gewisse Gesänge als verstaubt oder vielleicht gar abstossend wahrnehmen, geben sie uns doch Zeugnis der Gefühlslage jener Zeit: Emotionale Geschichtskunde könnte man sagen. Überwinden wir den – zu jeder Zeit bestehenden – Generationendünkel, dass wir «Modernen» weitergekommen sind und das Veraltete nichts mehr wert sei, können wir uns auf die geistigen Zeitzeugen einlassen. Neben der in Sprache gefassten Interpretation der jeweiligen Zeit übermitteln sie auch die emotionale Befindlichkeit. Die Beschäftigung mit der Musik früherer Generationen stiftet so eine Vertiefung des Verständnisses in frühere Erlebensweisen. Vielleicht ist die «höhere» Kunstmusik mehr ein Feld Müde, erschöpft und ausgebrannt? Magnesium in Strath Vitality hilft. Schweizer Produkt Erhältlich in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. www.bio-strath.com Schweizer Hausapotheke 2-2018 51

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