Aufrufe
vor 9 Monaten

Nr. 3 / 2018

  • Text
  • Schweizer
  • Hausapotheke
  • Gruppe
  • Menschen
  • Kinder
  • Zeit
  • Familie
  • Eltern
  • Wirkung
  • Schwangerschaft
Damit der Frühling schön und farbenfroh wird, hat der Osterhase mit der übriggebliebenen Eierfarbe den Himmel bemalt. Mit der vorliegenden Ausgabe wünschen wir Ihnen den einen wundervoll bunten Start in die warme und helle Zeit des Jahres!

Trügerische

Trügerische Wunschbilder In Familien treffen oft unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander; dabei entstehen Spannungsfelder. Sie können zu Impulsen für das gemeinsame Wachstum oder aber zu einem Nährboden für eine verschleierte Sicht auf die Realität werden. Der Oberarzt bittet Armin F. am Telefon zu einer Besprechung ins Regionalspital. Seine Frau war wenige Tage zuvor auf der Treppe in ihrem Wohnblock ausgerutscht. Sie fiel so unglücklich, dass sie sich Rippenprellungen sowie Blutergüsse im Gesicht zuzog. Die Ursache des Unfalls sei auf die Einnahme von Beruhigungsmitteln zurückzuführen, eröffnet der Oberarzt Verena und Armin F. In hohen Dosen führe dies zu Unsicherheit auf den Beinen. Wie die Auswertung verschiedener Blutwerte im Labor ergab, habe die Patientin über lange Zeit erhöhte Mengen an Medikamenten eingenommen. Verschiedene Organe zeigten alarmierende Werte, es bestehe Gefahr für die Gesundheit. Er rät dringend zu einer Behandlung des hohen Konsums dieser Medikamente. Als Ergänzung empfiehlt er eine Paarberatung. Armin F. fällt aus allen Wolken, er hatte keine Ahnung vom heimlichen Leiden seiner Frau. Für ihn ist seine Ehe – bis zu diesem Zeitpunkt – glücklich und frei von Sorgen. Ähnlich ergeht es Anita L. Für sie ist es, wie wenn aus einem strahlend blauen Himmel unverhofft ein heftiges Gewitter auf sie niedergeht. Den heftigen Stimmungsumschwung erlebt sie mit ihrer Schwiegertochter. Sie wolle sie bevormunden, fauchte sie diese an. Sie behandle sie, wie wenn sie geistig beschränkt wäre. Sie wolle sie ständig kontrollieren. Der Anlass für den heftigen Ausbruch der Schwiegertochter sind die guten Tipps, die Anita L. für die Erziehung und die Pflege des kleinen Enkels häufig gibt. L. ist gelernte Pflegefachfrau für Säuglinge und für Kinder. Auf ihre langjährige Berufserfahrung und ihre Fachkenntnisse ist sie stolz. Sie ist perplex, dass 18 Schweizer Hausapotheke 3-2018 ihre Schwiegertochter ihre Ratschläge als Bevormundung missversteht. Sie habe es doch nur gut gemeint, rechtfertigt sie sich mit tränenerstickter Stimme. Die 35-jährige Elvira W. ihrerseits schwankt immer wieder zwischen Wut und Trauer. Sie findet, dass sich ihre Eltern in Bezug auf ihren jüngeren Bruder Damian etwas vormachen. Er soll eines Tages die Firma seines Vaters in der Immobilienbranche übernehmen. Er sei mit seinen Füssen nicht auf dem Boden, findet seine Schwester, er sei zu überzeugt von sich. Er fahre lieber mit seinem Sportwagen in der Gegend herum, als sich als Juniorchef im Geschäft zu engagieren. Seine Eltern müssen ihm immer wieder mal mit Geldbeträgen aushelfen. Er ist Vater einer ausserehelichen Tochter, für die er aufkommen muss. Mit ihr seien die Eltern nicht annähernd so grosszügig und tolerant, findet Damians Schwester. Wenn es eines Tages ans Erben gehe, sieht sie grosse Konflikte mit ihrem Bruder auf sich zukommen. Starke Gemeinschaft In Umfragen über die wichtigsten Ziele im Leben nimmt «eine eigene Familie» einen der vordersten Plätze ein. Eine Reihe von Gründen spricht für dieses Lebensziel: Familien sind ein Hort der Geborgenheit. Dort weiss man sich in jeder Lebenslage getragen und kann sich auf Hilfe in der Not verlassen. Zwischenmenschliche Beziehungen zu Kollegen und zu Freunden können unter Umständen eines Tages zerbrechen, familiäre Beziehungen haben kein Ablaufdatum, sie sind gewissermassen unkündbar; sie überstehen selbst grosse Krisen. Bezeichnenderweise besagt eine traditionelle Redensart, dass familiäre Verwandtschaften besonders widerstandsfähig sind: «Blut ist dicker als Wasser». In einer Familie kann man ganz sich selber sein, man muss kein Sonntagsgesicht aufsetzen. In der Familie fühlt man sich als starke Gemeinschaft, die einen fördert, unterstützt und menschlich bereichert. Für viele Menschen ist sie sogar ein Stück heile Welt, in der man Kraft für die täglichen Bewährungen und Herausforderungen ausserhalb des Zuhauses sammeln kann. Allerdings gehört es zur Charakteristik jeder «heilen Welt», dass sie gefährdet ist, sobald man sie krampfhaft festzuhalten versucht. Gelegentlich wird nicht bedacht, dass die Harmonie in der Familie kein starrer, dauerhafter Zustand ist, sondern eine zerbrechliche Balance, die gelingen oder gelegentlich auch in Schieflage geraten kann. Wenn es in der eigenen Familie kriselt, das ist für viele Menschen eine sehr schmerzhafte Erfahrung, mit der man sich sehr schwer tut oder die man sogar verdrängt. Weil man emotional mit ihr stark verbunden ist, strengen sich die Mitglieder sehr an, gegen aussen ein intaktes Erscheinungsbild zu bewahren. Familiäre Probleme werden oft als peinliches eigenes Versagen gewertet – auch wenn dies bei objektiver Betrachtung längst nicht immer zutrifft. Psychologen warnen davor, schwierige Situationen in der Familie zu tabuisieren. Verleugnete Probleme melden sich öfters nach einiger Zeit unverhofft durch die Hintertür. Heikle Balance Familien stehen immer wieder im Spannungsfeld zwischen Klischee und Realität. Überhöhte Vorstellungen vom ständigen Glückszustand in

der familiären Gemeinschaft werden von der Werbung begünstigt. Dadurch werden kaum zu erfüllende Erwartungen geweckt, die schliesslich unter Umständen in eine Scheidung münden, weil die eigenen überhöhten Ideale nicht erfüllt wurden. Auf den Reklamefotos und in den TV-Spots für Frühstücksflocken oder -margarine und anderes mehr herrscht stets eine warme und heitere Atmosphäre in den Bilderbuch-Familien. Die Realität ist längst nicht immer so perfekt und so ungetrübt. Wo Menschen in freudigen wie in schwierigen Phasen nahe zusammen leben, entstehen zwangsläufig Reibungsflächen. Alltäglichkeiten, wie etwa die Dauer der Badezimmerbenutzung oder des Abendausgangs, sind Zündfunken, an denen sich Streit entfacht. Auch wenn es sich vordergründig um wenig weltbewegende Themen dreht, ist der tatsächliche Anlass unter Umständen gravierender. Das untergründige Thema ist die anspruchsvolle Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen. Das Leben in der Familie ist auf Dauer ein häufiges Ausloten der Balance zwischen Selbstbestimmung und Gemeinsamkeit. Unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen erzeugen Spannungsfelder. Ein erstes Mal zeigt sich dies in aller Deutlichkeit, wenn Kinder zwischen zwei und vier Jahren in die Trotzphase kommen. Dann trainieren sie lautstark erste Ansätze zur Eigenständigkeit. Während der Pubertät findet dieser Prozess auf einer weiteren Ebene statt. In beiden Phasen geht es um die Durchsetzung eigener Bedürfnisse und um die Auseinandersetzung mit den Wünschen anderer. Laut Fachleuten ist dieser Erfahrungsprozess prägend für die kommenden Lebensjahre. Authentisch werden Kinder werden gelegentlich zum Projektionsschirm der Erwartungen ihrer Eltern. Doch um ein erfülltes Leben zu leben, müssen junge Menschen den in ihnen angelegten Neigungen folgen, die nicht immer den Wunschvorstellungen der Eltern entsprechen. Wer mit der Zeit gelernt hat, die Bedürfnisse und die Gefühle von sich selber und anderen wahrzunehmen, hat das Fundament für eine gesunde Fürsorge für sich selber gelegt. Illusionen haben dann nur einen geringen Nährboden, weil die Realität weniger leicht verkannt wird. Wer dagegen verinnerlicht, dass die Erfüllung eigener Bedürfnisse stets im Zentrum steht, wird oft anecken. Womöglich führt diese Person ein emotional verarmtes Leben. Bei Egozentrikern gehen die Mitmenschen auf Distanz, weil sie sich in die frustrierende Rolle von Erfüllungsgehilfen versetzt fühlen. Auch die gegenteilige Position führt kaum zu einem frohen Leben: Menschen, die nie gelernt haben, auf sich selber zu achten, sondern sich ständig nach den Bedürfnissen und Vorgaben anderer richten, fühlen sich nie wirklich befriedigt und wertgeschätzt. Nur wenn die umfassende vielfältige Palette an Gefühlen wahrgenommen wird, entsteht Authentizität. Sie wirkt trügerischen Illusionen entgegen und verhindert, dass die – vermeintlich – heile Welt in der Familie eines Tages zerbricht und die verdrängten Aspekte durch heftige Streitigkeiten, verletzende Vorwürfe und Beziehungsabbrüche ans Tageslicht treten. Adrian Zeller verfügt über eine mehrjährige Praxiserfahrung im Gesundheitswesen. Seit 1995 ist er journalistisch und publizistisch tätig. Endlich ein Drink, mit dem ich mich schöntrinken kann. YUMA Molke ist ein natürliches und wohltuendes Wellness-Getränk in 6 Geschmacksrichtungen für einen gesunden Lifestyle. Gratismuster www.yuma.ch Erhältlich in Ihrem Reformhaus, Ihrer Drogerie oder Apotheke. GANZ SCHÖN GESUND. Schweizer Hausapotheke 3-2018 19

Unsere Zeitschriften

Schweizer Hausapotheke

Nr. 8 / 2018
Nr. 7 / 2018
Nr. 6 / 2018
Nr. 5 / 2018
Nr. 1 / 2018
Nr. 4 / 2018
Nr. 3 / 2018
Nr. 2 / 2018
Nr. 1 / 2018
Nr. 8 / 2017
Nr. 7 / 2017
Nr. 6 / 2017
Beckenbodentraining