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Nr. 6 September/Oktober 2017

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Hirn oder Herz? | Entschleunigung | Starke Bären

Altersweisheit Im

Altersweisheit Im höheren Alter blickt man auf verschiedene angenehme und auf weniger erfreuliche Erfahrungen in seinem langen Dasein zurück. Daraus kann sich eine gelassene Haltung entwickeln – oder aber Intoleranz und Bitterkeit. Seit der Antike gilt die Eule als treffendes Symbol für Weisheit. Grund dafür ist ihr scharfes Gehör, ihr durchdringend wirkender Blick sowie ihre Fähigkeit, auch nach hinten zu blicken. All dies steht für Klugheit und Weitsicht. Klugheit bedeutet allerdings nicht das gleiche wie Intelligenz. Irrtümlich wir oft angenommen, für Weisheit sei eine hohe Intelligenz und umfassende Bildung die Grundvoraussetzung. Auch Frauen und Männer, die nie eine Universität von innen gesehen haben, können altersweise werden. Manche sehr intelligente Menschen denken und handeln sehr unvernünftig, man denke etwa an raffinierte Betrüger. Was Weisheit und Lebensklugheit genau ausmacht, ist schwierig zu definieren. Mit ein Grund dafür sind menschliche Faktoren, die dafür ausgewogen zusammenwirken müssen: Lebenserfahrung, Herzensqualitäten sowie Verstandeskräfte. Lange Lebenserfahrung alleine macht nicht weise. Wenn sie mit einem zu grossen Ego kombiniert ist, wird sie unter Umständen zur Besserwisserei und zur Fixierung auf die Vergangenheit. Herzensqualitäten führen ihrerseits eventuell zu Unvernunft, weil gutmütige Menschen gelegentlich ausgenützt werden. Und bei isolierten Verstandeskräften mangelt es am Einfühlungsvermögen. Perspektive auf positive Eigenschaften Altersweisheit gehört zu jenen Eigenschaften, die man spürt, wenn sie vorhanden, aber die kaum abschliessend in Worte gefasst werden können. In eine allgemeine Kurzform gebracht ist es die Fähigkeit, mit den Mitmenschen, mit sich selber und mit den Wechselfällen des Lebens geschickt umzugehen. Weise Menschen verfügen über eine ausbalancierte Urteilskraft. Es liegt in der Natur des menschlichen Gehirns, blitzschnell Meinungen und Urteile zu bilden. Dabei spielen Sympathie und Antipathie sowie Vorurteile eine entscheidende Rolle. Damit wird man Personen aber oft nicht gerecht; denn hinter dem ersten Eindruck verbergen sich oft ungeahnte menschliche Qualitäten. Wer eine kritische Distanz zum eigenen Urteil behält und dieses auch revidieren kann, hat einen entscheidenden Schritt in Richtung Altersweisheit gemacht. Die Redewendung «salomonisches Urteil» meint eine weise Entscheidung. Dazu braucht es eine umfassende Sichtweise, Weitblick, Einfühlungsvermögen, Lebenserfahrung sowie Menschenliebe. Einige Merkmale kennzeichnen altersweise Frauen und Männer: Sie wirken anderen Menschen gegenüber grundsätzlich wohlwollend und strahlen Menschenfreundlichkeit aus. Sie wirken stimmungsmässig meistens ausgeglichen; sie sind in allem massvoll; ihr Herz hängt nicht an materiellem Reichtum und an Prestige. Altersweise Menschen wirken bescheiden, sie können sich an kleinen Dingen freuen; sie kultivieren die Freude in ihrem Leben; sie wissen, dass verlässliche Freundschaften im Zweifelsfall weit wertvoller sind als etwa eine exklusive Münzsammlung; sie halten sich nicht lange mit negativen Aspekten auf; sie richten ihren Blickwinkel bei den Menschen stets auf deren positive Eigenschaften, sie glauben an ihre Fähigkeiten zur Altersweisheit wird in Asien oft mit Bambus verglichen: Es ist eine wunderbare Kombination zwischen Standfestigkeit und Flexibilität. Und Bambus lässt sich von keinem Sturm knicken. Weiterentwicklung; sie sind nicht nachtragend und hängen nicht zu intensiv an Vergangenem; sie wissen, dass ihre verbleibende Lebenszeit begrenzt ist, sie füllen ihre Zeit vor allem mit Nützlichem und Erfreulichem; sie versuchen aus jeder Situation das Beste zu machen, dies gilt auch für Schicksalsschläge; sie wissen aus Erfahrung, dass man mit Geduld und mit Beharrlichkeit oft mehr erreicht als mit Druck und Drohungen; sie gehen haushälterisch mit den eigenen Kräften um; sie wirken nicht besserwisserisch, rechthaberisch und stur, sie haben keine Mühe andere Meinungen und Sichtweisen anzuerkennen; sie fallen selten auf, weil sie die eigene Person nicht in den Vordergrund stellen; sie sind nicht klatschsüchtig und schwatzhaft, sie wählen ihre Worte mit Bedacht; sie sind kaum konfrontativ, sie wirken vielmehr vermittelnd und suchen nach einvernehmlichen Kompromisslösungen. Daher werden sie gerne von unterschiedlichen Personen als Ratgeber und als Konfliktvermittler angefragt. Leben mit dem Wandel Altersweise Menschen sind oft durch ihre gelassene Lebenshaltung im Alltag gekennzeichnet. Dabei handelt es sich weniger um Abgeklärtheit. Weise Menschen stehen nicht über den Dingen. Auch sie lassen sich durchaus von Freud und Leid berühren, aber sie haben einen grosszügigeren Blickwinkel. Sie wahren eine gewisse innere Distanz, sie lassen sich weder von Problemen noch von Begeisterung völlig vereinnahmen. Sie leben gewissermassen den fernöstlichen Weisheitsspruch, wonach man weder in grosser Freude noch in grossem Ärger einen Brief beantworten soll. Beide Gefühle sind vergänglich. Hierzulande rät eine Volksweisheit, die Dinge eine Nacht zu überschlafen. Mit einem ausgeruhten Geist präsentieren sich manche Erlebnisse in einem anderen Licht. Zwar richten altersweise Menschen ihr Leben nach gewissen Werten aus, aber sie haben keine unverrückbaren Meinungen. In Asien wird diese Lebenseinstellung 14 Schweizer Hausapotheke 6-2017

gerne mit Bambus verglichen: Die Stängel der Pflanze sind äusserst biegsam, dennoch sind sie fest verwurzelt, und sie lassen sich von keinem Sturm umknicken. Sie haben eine ausgewogene Kombination von Flexibilität und Standfestigkeit gefunden. Bis zum dritten Lebensabschnitt haben die meisten Menschen erfahren, dass nichts im Leben auf ewig besteht. Man muss immer wieder auf Veränderungen gefasst sein. Wer sich an Vergangenes klammert, wird unnötig leiden. Senioren wissen, dass der Satz des altgriechischen Philosophen Platon zutrifft: «Alles bewegt sich fort, nichts bleibt.» Sowohl Glück wie auch Unglück sind vergänglich: Sehr geschätzte Nachbarn ziehen weg; eine jahrelange Arbeitsstelle wird plötzlich weggespart; ein wunderschöner, alter Baum vor dem Haus wird krank und muss gefällt werden. Es gibt auch erfreuliche Wechsel: Ein Enkel schafft die Lehrabschlussprüfung, obwohl er im Voraus sehr pessimistisch war; eine nette Cousine meldet sich nach vielen Jahren Funkstille plötzlich wieder; frisch eingezogene Nachbarn wirken anfänglich arrogant, nach einigen Wochen zeigen sie sich von einer weit angenehmeren Seite. Wachsen am Leid Entwicklungsschritte zur Altersweisheit entstehen oftmals über Phasen der Krise. In schwierigen Lebensphasen kann man als Mensch wachsen und seine Fähigkeiten zur Problemlösung weiterentwickeln. Forscher benennen genau dies als einen der Grundpfeiler der Weisheit: die Fähigkeiten zur Selbstreflexion. Also die Fähigkeit, über sein eigenes Verhalten nachzudenken und dadurch zu konstruktiven Einsichten zu kommen. Auch lebenskluge Menschen gelangen gelegentlich an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und sind überfordert. Wenn etwa ein altersweiser Mensch einen Partner oder eine andere nahe stehende Person verliert, wird er ebenfalls tiefen Schmerz empfinden. Er wird sich allerdings nicht lange mit grosser Wut auf das Schicksal aufhalten, er wird auch nicht übermässig oft zur Flasche oder zur Tablettenschachtel greifen. Viel eher wird er vorübergehend besonders freundlich mit sich selber umgehen und sich eventuell mit Ausflügen und Liebhabereien ablenken, bis der Herzschmerz etwas nachgelassen hat. Weise Menschen wissen aus Erfahrung, dass jeder Schmerz vergänglich ist und eines Tages wieder erfreulichere Zeiten kommen werden. Wie Untersuchungen zeigen, lassen sich gereifte Menschen durch sehr schwierige Umstände weniger lange aus der Bahn werfen. Sie haben Mechanismen entwickelt, um ihre innere Balance relativ rasch wieder herzustellen. Dazu gehören verlässliche Vertrauensbeziehungen zu Freunden, Verwandten oder Nachbarn. Im weiteren eine Aufgabe im Alltag, wie etwa das Hüten von Enkeln oder von Nachbarskindern, das Pflegen eines Haustiers oder eines Gartens oder das Spielen eines Instruments. Aufgaben beschäftigen den Geist und wirken dem zermürbenden Grübeln entgegen. Zudem sorgen sie für das Gefühl, gebraucht zu werden, und sie liefern Selbstbestätigung. Adrian Zeller, mehrjährige Praxiserfahrung im Gesundheitswesen. Seit 1995 journalistisch und publizistisch tätig. Hühneraugen? Lebewohl ® ! • Millionenfach bewährtes Pflaster • Spezifische Wirkstoffkombination • Mildert Druckschmerzen Dies ist ein Arzneimittel. Bitte lesen Sie die Packungsbeilage. www.swissmedicinfo.ch Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Melisana AG, 8004 Zürich, www.melisana.ch Schweizer Hausapotheke 6-2017 15

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