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Nr. 6 September/Oktober 2017

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Hirn oder Herz? | Entschleunigung | Starke Bären

Besondere Menschen Das

Besondere Menschen Das Asperger-Syndrom zeigt sich vor allem durch Schwächen bei der sozialen Interaktion und Kommunikation: Insbesondere die Fähigkeit, verbale Signale anderer Personen zu erkennen, ist stark beeinträchtigt. Die Kontakt- und Kommunikationsstörung macht sich etwa vom vierten Lebensjahr an bemerkbar. Die Ursachen dieser Entwicklungsstörung sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird eine genetische Variante, da das Asperger-Syndrom familiär gehäuft auftritt. Weiter werden neurologische und biochemische Ursachen angenommen. Auffälligkeiten gibt es besonders in den Hirnarealen, die für die Empathiefähigkeit wichtig sind. So zeigen vom Asperger- Syndrom Betroffene kaum eigene Emotionen, können sich nicht in die Gedankenwelt anderer Menschen hineinversetzen und auch nicht an deren Mimik die jeweilige Gefühlslage ablesen. Zudem sind sie äusserst detailorientiert, haben aber Schwierigkeiten, Zusammenhänge zu erkennen und die Details als ein Ganzes zu sehen und zu verstehen. Oft trügt der Schein Im Gegensatz zu Kindern mit frühkindlichem Autismus werden Kinder mit Asperger-Syndrom erst relativ spät, bisweilen erst im Verlauf des Schulalters, diagnostiziert. Auf den ersten Blick wirken sie auch recht normal, und Auffälligkeiten werden zunächst den verschiedensten Ursachen zugeschrieben. Ganz häufig wird ihre Störung nicht ernst genommen. Daher werden an diese Kinder Anforderungen gestellt, die sie gar nicht erfüllen können. Im Gegenzug wird das auffällige Verhalten fälschlicherweise als «Nicht-Wollen» interpretiert, als Ausdruck des Wunsches, im Mittelpunkt zu stehen, schlimmstenfalls als Bösartigkeit. Durch das grosse Wissen auf dem Gebiet ihrer Spezialinteressen und der Hartnäckigkeit, mit der sie diese Interessen verfolgen, können Kinder mit Asperger-Syndrom ganz hervorragende Leistungen erbringen. Überhaupt verfügen sie über ganz besondere Eigenschaften: Genauigkeit, Perfektion, stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, absolute Wahrheitsliebe, logisches Denken. Wenn diese Eigenschaften gefördert und in die richtigen Bahnen gelenkt werden, können aus Kindern mit Asperger-Syndrom sehr gewissenhaft und genau arbeitende Angestellte, aber auch hervorragende Wissenschaftler, Erfinder oder Künstler werden. Kinder mit Asperger-Syndrom sind, gemessen am autistischen Spektrum, relativ «leicht» betroffen. Dennoch benötigen sie besonderes Verständnis und Hilfe, aber es muss die richtige Art von Hilfe sein. Mit der richtigen Anleitung können sie soziale Verhaltensweisen lernen. Dann sind die Chancen, dass sie später einmal einen Beruf ausüben und ein weitgehend eigenständiges Leben führen können, recht gut. Integration ist entscheidend Die Symptome sind bei erwachsenen Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt. Während manche ihr Leben alleine meistern, sind andere auf ständige Hilfe angewiesen, da sie sich in ihrem Umfeld kaum zurechtfinden. Durch die mangelnde Empathiefähigkeit sind sie oftmals nur schwer oder eingeschränkt beziehungsfähig. Bereits im Kindesalter fällt es den vom Asperger-Syndrom Betroffenen schwer, sich zu integrieren; sie wirken egozentrisch, verhaltensauffällig, introvertiert, distanziert, rücksichtslos und sozial isoliert. Dazu kommen eine motorische Schwerfälligkeit, Emotionslosigkeit und das zum Teil starre Festhalten an gewohnten Tagesabläufen. Ganz besondere Fähigkeiten Fachleute in der Autismus-Forschung legen Wert darauf, Menschen mit Asperger-Syndrom nicht als Patienten zu sehen, sondern als Menschen, welche die Welt und deren Geschehnisse aus einer anderen Sichtweise und Warte sehen (... und es gibt keine richtige versus kranke Warte – es gibt viele Warten!). Menschen mit Asperger-Syndrom haben ganz einfach eine andere Art der Objektbetrachtung. Sie haben Einsichten, Wahrnehmungen, Betrach- Zweithaar und Haarersatz in riesiger Auswahl Moderner Haarersatz aus Spezialistenhand ist unsichtbar. Seit rund 25 Jahren sind die Zweithaarspezialisten der «Perückeria» als Kompetenz-Zentrum für Haare bestens bekannt. Spezi­ 28 Schweizer Hausapotheke 6-2017 ell geschulte Fachkräfte garantieren dafür, dass auch Sie Ihre Wunschfrisur finden werden, die Ihnen im Alltag Freude bereitet. Das unabhängige Schweizer Unternehmen erfüllt mit seinem einmaligen Konzept und grossem Know-how höchste Ansprüche für alle Zweitfrisuren, Haarteile, -verdichtungen oder -Integrationslösungen. Die diskrete Beratung erfolgt in zentral (mitten im Strassenkreuz der Städte Bern – Zürich – Luzern – Basel) gelegenen, rollstuhlgängigen Showrooms mit einer riesigen Auswahl und grosszügigen Öffnungszeiten. Änderungs-, Anfertigungs- und Servicearbeiten von A bis Z erfolgen vor Ort aus einer Hand. Als zugelassener Hilfsmittel-Lieferant können auf Wunsch auch Direktabrechnungen mit den zuständigen Sozialversicherungen in der ganzen Schweiz angeboten werden. Für eine seriöse, ungestörte Einzelberatung stehen Ihnen die ZweithaarspezialistInnen auf telefonische Anmeldung gerne zur Verfügung. Perückeria/Haarpraxis by Hairplay GmbH Untere Grabenstrasse 8 4800 Zofingen Telefon 062 752 57 00 info@perueckeria.ch www.perueckeria.ch zertifiziertes Qualitäts-Managementsystem ISO 9001:2008

tungen etc., die andere nicht mit ihnen teilen. Hat man allerdings den Zugang zu Botschaften von Menschen mit Asperger-Syndrom, so kann man ihr Verhalten verstehen und viel von ihnen lernen. Sie können uns zudem in eine Welt führen, die wir nicht kennen. Heute gehen Fachleute davon aus, dass so manche Formel ohne Menschen mit Asperger- Syndrom nie entdeckt, so manche Erfindung nie gemacht, so manches Musikstück nie komponiert oder so manches Buch nie geschrieben worden wäre. Asperger-Persönlichkeiten haben die Gabe, in ihren Tätigkeiten Stunden über Stunden, Tage über Tage bis ins kleinste Detail vorzudringen. Gewisse Entdeckungen und Werke sind überhaupt erst durch diese Fähigkeit der speziellen Konzentration möglich geworden. In der Therapie darf man Asperger-Persönlichkeiten deshalb ihre «andere Sicht der Dinge» nicht nehmen, sondern die Therapie sollte lediglich ein besseres gegenseitiges Verstehen ermöglichen. Der österreichische Arzt Hans Asperger selbst – aufgrund seiner Veröffentlichung im Jahre 1943 wurde das Krankheitsbild nach ihm benannt – beschrieb dieses Phänomen nicht nur als Störung. Er war im Gegenteil auch fasziniert von diesen Menschen und ihrem originellen Erleben und Verhalten. Unterschied zwischen Asperger-Syndrom und ADHS Es ist auffallend, dass eine ganze Reihe von Symptomen bei Autismus und bei ADHS, also bei beiden Störungen auftreten. Neuere Studien weisen darauf hin, dass eine Überlappung von Autismus und ADHS in zirka 50 Prozent vorliegt. In neurobiologischen Untersuchungen wurden zwar deutliche Unterschiede beobachtet, bei beiden Störungen ist jedoch das Frontalhirn involviert. Klinisch fällt bei vielen Kindern mit einer Autismus-Spektrumstörung auf, dass sie auch an einer ADHS- Symp tomatik leiden. Umgekehrt werden bei einem Teil der Kinder mit ADHS autistische Verhaltensstörungen beobachtet. Mediziner weisen daher zu Recht darauf hin, wie wichtig es ist, bei jedem Kind mit der Diagnose Autismus nach dem Vorliegen einer ADHS-Symptomatik zu suchen. Umgekehrt sollte bei Kindern mit der Diagnose ADHS auch das mögliche Vorliegen von autistischen Zügen abgeklärt werden. Behandlungsbausteine Das Asperger-Syndrom lässt sich bislang nicht heilen. Man kann nur versuchen, die Betroffenen in ihrem Alltag mit der richtigen Förderung zu unterstützen und ihnen zum Beispiel bei der Verbesserung sozialer Kompetenzen zu helfen. Allerdings besitzt nicht jedes Asperger- Syndrom «Krankheitswert» und muss behandelt werden. Entscheidend hierfür sind das Ausmass der Symptome und der Leidensdruck des Betroffenen. Die Asperger-Syndrom-Therapie setzt sich meist aus verschiedenen Therapiebausteinen, vor allem verhaltenstherapeutischen Massnah- men zusammen. Diese sind an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst: • Individuelle Behandlung, wie zum Beispiel die Klärung der eigenen Perspektiven und die Bewältigung alltäglicher Probleme. • Training von sozialen Fertigkeiten in der Gruppe mit dem Ziel, Menschen mit Asperger- Syndrom verstärkt für das soziale Miteinander zu motivieren und ihnen soziale Regeln begreiflich zu machen. Ausserdem bietet das Training in der Gruppe soziale Erfahrungen und Möglichkeiten. • Menschen mit Asperger-Syndrom sollten Berufe mit intensivem Sozialkontakt meiden. Angepasst an die individuellen Möglichkeiten, lassen sich aber geeignete Berufe finden, beziehungsweise die eigenen besonderen Fähigkeiten gezielt in einem Beruf einsetzen. Bei bestimmten Symptomen und Verhaltensstörungen (schwere Aufmerksamkeitsstörungen, Zwangssymptome etc.) erhalten manche Menschen mit Asperger-Syndrom entsprechende Medikamente. Die Medikation muss aber immer Teil eines umfassenden Therapiekonzeptes sein. Urs Tiefenauer, Texter, Werbe- und PR-Fachmann. Seit 2001 selbständig im Bereich Gesundheit/ Gesellschaft. Sun-Snack: Trockenfrüchte Die natürlichsten Kraftspender Schweizer Hausapotheke 6-2017 29

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