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Nr. 6 / 2018

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Lindernde Berührungen

Lindernde Berührungen Was vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre, ist dank Forschung Wirklichkeit geworden: Organe werden verpflanzt, abgenutzte Gelenke ersetzt und Hightech-Prothesen angepasst. Trotz allem Fortschritt bleibt ein urmenschliches Heilmittel zur Linderung vieler Leiden unersetzbar: körperliche Zuwendung. Die Skandalschlagzeilen in letzter Zeit über sexuelle Übergriffe haben den Körperkontakt in ein schiefes Licht gebracht. Die Verunsicherung ist mittlerweile gross: War eine kurze Zufallsberührung schon eine unstatthafte Anzüglichkeit? War ein kollegial kurz um die Schulter gelegter Arm schon übergriffige Anmache? Hegte ein Götti, der mit seinem kleinen Patenkind ins Schwimmbad ging, vielleicht heimliche Absichten? Aus Angst, in einen falschen Verdacht zu geraten, vermeiden manche Menschen möglichst jeglichen Körperkontakt. Dies hat negative Folgen. In Umfragen gab jede achte Person an, an einem Mangel an körperlicher Nähe zu leiden. Ältere Personen beklagten dieses Defizit besonders häufig. Damit entsteht ein Verlust an Lebensqualität. Der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Körperkontakt und der körperlichen und geistigen Gesundheit ist grösser, als man vermuten würde. Ein Beispiel illustriert dies ebenso eindrücklich wie anschaulich: Forscher der Carnegie Mellon University in Pittsburgh infizierten Freiwillige mit Erkältungsviren. Die Wissenschaftler befragten sie nach der Art ihrer sozialen Kontakte im Alltag. Das Ergebnis: Jene Personen, die öfters in den Arm genommen wurden, bekamen seltener Schnupfen. Berührungen stärken das Immunsystem, indem sie Stresshormone reduzieren. Weitere Forschungen ergaben, dass bei Menschen, die häufig berührt werden, die Wundheilung beschleunigt und das Empfinden von Schmerz reduziert ist. Wie im weiteren Eltern wissen, vermag eine Berührung auch tobende, verzweifelte oder verletzte Kleinkinder zu beruhigen. Schimpansen, die dem Menschen genetisch und auch sozial eng verwandt sind, verbringen gemäss 44 Schweizer Hausapotheke 6-2018 Forschung rund ein Fünftel ihrer Lebenszeit mit dem Lausen ihrer Gruppengenossen. Neben dem Dezimieren von lästigen Schmarotzern dient dieses Verhalten auch dem sozialen Zusammenhalt. Für Tiere in der Wildnis ist eine starke und stabile Gemeinschaft entscheidend für das Überleben. Digitales Zeitalter Erzwungener Körperkontakt, etwa in der überfüllten S-Bahn, wird als unangenehm und stressig empfunden. Bei Arbeitskollegen, Kunden und Nachbarn unterschreitet normalerweise die körperliche Nähe 45 Zentimeter nicht. Bei unsympathischen oder nervigen Menschen kann er schon mal einen Meter oder mehr betragen. Man geht diesen Menschen wortwörtlich aus dem Weg, man vermeidet soweit als möglich die körperliche Nähe. Nicht nur die gestiegene Angst, für einen Grabscher oder einen Pädophilen gehalten zu werden, hat die Hemmschwelle für körperliche Berührungen in die Höhe getrieben, auch die digitalen Medien haben die Nähe reduziert. Dank Online-Banking, Internet- Shops, Socialmedia und SMS lässt sich heute vieles auf Distanz erledigen. Auch die kurze Umarmung mit Verwandten und Freundinnen ist heute seltener geworden, weil man dank Skype und weiteren digitalen Möglichkeiten Beziehungen auch auf Distanz pflegen kann. Wissenschaftler sprechen mittlerweile gar von einer «chronischen Berührungsarmut». Dies mag man für übertrieben halten, doch dies scheint es keineswegs: In Umfragen gab jede zweite Frau und jeder dritte Mann an, sich nach Kuscheln zu sehnen. Wie Studien gezeigt haben, berühren sich Partnerinnen und Partner in langjährigen Beziehungen im Durchschnitt nur noch alle paar Tage. In verschiedenen Grossstädten sind sogenannte Kuschelgruppen und Kuschelpartys entstanden. Dabei suchen wildfremde Menschen während Stunden den Körperkontakt zueinander. Berührungen der Intimzone sind dabei ausdrücklich nicht gestattet. Es geht ausschliesslich um die Wohltaten von körperlicher Nähe. «Es ist, wie wenn man nach Hause kommt», beschreibt eine teilnehmende Person ihre Empfindungen dazu. Eine andere erlebt es als «inneren Frieden». Experten spekulieren, ob der anhaltende Wellnessboom auch mit einem Mangel an Berührungen zusammenhängt. Bei Massagen aller Art und bei Kosmetikbehandlungen erfährt man während einer halben Stunde oder länger auf angenehme Weise Zuwendung und körperliche Nähe. Dabei wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Gelegentlich wird es auch als «Kuschelhormon» oder als Bindungshormon bezeichnet. Es ist jene Substanz, die unter anderem für eine intensive körperliche und seelische Nähe zwischen Mutter und Baby sorgt. Es senkt bei Menschen den Stress und damit auch den Blutdruck und Pulsschlag. Es reduziert zudem allfällige Schmerzen und Ängste. Eine Gruppe von Versuchspersonen, denen in einem Experiment künstlich Oxytocin zugeführt wurde, vertraute einander mehr. Sie gingen weniger misstrauischen und koopera-

tiver miteinander um. In diesem Zusammenhang: Wie Forscher herausgefunden haben, engagieren sich Menschen, die als Kleinkinder kaum körperliche Nähe erlebt haben, weniger für das Wohl anderer. Sie haben wenig Erfahrung mit sozialer Nähe. Besser rechnen mit Massage Ein weiteres Forschungsergebnis belegt auf eindrückliche Weise, welche intensive Wirkung Berührungen haben können: Frühgeborene, die im Brutkasten die gleich Menge an Nahrung erhalten, nehmen rascher an Gewicht zu, wenn sie regelmässig massiert werden. Erwachsene Menschen, die in einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung eine Viertelstunde massiert wurden, mussten anschliessend Rechenaufgaben lösen, sie kamen rascher und genauer zu Resultaten als Nichtmassierte. An Laborratten werden viele Vorgänge modellhaft untersucht, die auch im menschlichen Leben eine Rolle spielen. Rattenmütter lecken ihre Jungen in der Nestphase instinktiv immer wieder. Wenn Forscher diesen Körperkontakt einschränken oder verhindern, wachsen Ratten heran, die ihr ganzes Leben lang viel anfälliger für Stress sind. Sie entwickeln in ihrem Nervensystem weniger Schaltstellen, die das Stresshormon Cortisol unwirksam machen. Dasselbe trifft auch auf Menschen zu: Kinder, die sehr wenig Körperkontakt erfahren haben, zeigen auch als Erwachsene ausgeprägte Anzeichen von Stress. Sie sind zudem anfälliger für Herzinfarkte und für depressive Verstimmungen. Bei Kleinkindern ist der häufige Körperkontakt einerseits wegen dem Gefühl der Sicherheit und der Geborgenheit wichtig, andererseits stimulieren Hautberührungen die Gehirnentwicklung. Kinder, die keine körperliche Nähe erfahren haben, sind oft geistig weniger entfaltet, tun sich schwerer mit zwischenmenschlichen Kontakten und entwickeln sich zum Teil auch körperlich langsamer. Weil Hautkontakte sehr tiefe Schichten in der menschlichen Psyche erreichen, berühren gezielt speziell ausgebildete Fachpersonen aus der Pflege und auch der Physiotherapie schwer erkrankte Patienten, mit denen ein Kontakt über die Sprache kaum möglich ist. Ziel ist es, deren Lebensqualität zu erhöhen und den Austausch mit ihrer unmittelbaren Umgebung anzuregen. In diesem Zusammenhang: Studien in den USA an Zwillings-Frühgeburten haben gezeigt, dass sie instinktiv den körperlichen Kontakt zueinander suchen. Wurden sie versuchsweise vorübergehend getrennt, verlangsamte sich ihre Entwicklung. Sprache ohne Worte Hautkontakt ist der intensivste Reiz von allen Sinnesempfindungen. An Gerüche, an Geräusche und auch an optische Reize kann man sich gewöhnen. Im Gegensatz dazu ziehen Berührungen reflexartig alle Aufmerksamkeit auf sich, man kann sie nicht ausblenden und ignorieren. Selbst ein Mensch, der sehr aufgeregt, verwirrt oder schockiert ist, reagiert unmittelbar darauf, wenn er angefasst wird. Entweder wehrt er sich gegen den Körperkontakt oder aber er beruhigt sich. Verschiedene Menschen, die Komapatienten, schwer Demente oder Sterbende begleitet haben, berichten, dass die Patienten nicht mehr auf Worte oder Geräusche reagiert hätten, wohl aber auf das Halten ihrer Hand oder auf eine sanfte Massage der Füsse. Adrian Zeller verfügt über eine mehrjährige Praxiserfahrung im Gesundheitswesen. Seit 1995 ist er journalistisch und publizistisch tätig. Blasen Probleme? Pharmacode 5807316 Pharmacode 5807322 Zur Abwehr und Verringerung der Infektanfälligkeit der Blase und Harnwege. Verhindert das Anhaften von Bakterien an der Blasenwand und senkt so die Infektanfälligkeit der Harnwege. Cranberry Protect zu Vorbeugung. Bei akuten Beschwerden Cranberry Akut. Hochdosiert. Magensaftresistent. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Schweizer Hausapotheke 6-2018 45

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