Aufrufe
vor 10 Monaten

Nr. 7 Oktober/November 2017

  • Text
  • Schweizer
  • Menschen
  • Hausapotheke
  • Kinder
  • Zeit
  • Betroffenen
  • Wichtig
  • Zudem
  • Krankheit
  • Behandlung
Beschwingt durch den Herbst

Wenn schlank nicht genug

Wenn schlank nicht genug ist Magersucht beginnt häufig im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Die Krankheit schränkt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ein und kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Rebekka* war 15, als sie begann, Diät zu halten und weniger als 1000 Kalorien am Tag zu sich zu nehmen. Die 1,72 Meter grosse Sekundarschülerin wog damals 55 Kilogramm und trug Konfektionsgrösse 36, fand sich aber zu dick. Am meisten störte sie sich an ihrem Bauch und den Oberschenkeln. Sie wollte gertenschlank sein wie Celine* und Rosanna* aus ihrer Klasse, die beide Skinny-Jeans in der Grösse 32 trugen. Zusätzlich zur strikten Diät begann Rebekka, intensiv Sport zu treiben. Am Anfang joggte sie jeden zweiten Tag nach der Schule 30 Minuten, bald schon waren es 60 Minuten täglich. Zu Hause trainierte sie zusätzlich mit Rumpfbeugen ihre Bauchmuskeln und machte Liegestützen bis zum Umfallen. Als Rebekka die ersten Kilos verlor, erhielt sie Komplimente von Freundinnen – eine Wohltat für ihr Selbstwertgefühl. Sie fühlte sich gut, weil sie glaubte, ihren Körper komplett unter Kontrolle zu haben. Doch auch mit einem Gewicht von 50 Kilogramm empfand sie sich immer noch als zu dick. Sie beschloss weiter abzunehmen. Die Magersucht gab ihr vermeintlich Halt im Leben. Verzerrte Körperwahrnehmung Als sie mit ihrer KV-Lehre begann, ass sie in der Kantine mittags nur Salat ohne Salatsauce oder machte in der Mittagspause einen Spaziergang, um nicht mit ihren Bürokolleginnen und -kollegen gemeinsam essen zu müssen. Süssem und Fettigem konnte sie problemlos widerstehen. Wenn jemand Gipfeli oder einen Geburtstagskuchen ins Büro brachte, fand sie immer eine Ausrede, um nicht davon essen zu müssen. Am Abend ernährte sie sich meist nur von einem Apfel oder einer Tomate und war stolz, jegliches Hungergefühl zu bezwingen. Trotz der Ermahnungen ihrer Eltern weigerte sie sich mehr zu essen. Mit 16 zog sich Rebekka immer mehr vom Leben zurück, traf sich kaum mehr mit Freundinnen, ging nicht aus. Ihre Gedanken kreisten nur noch um Kalorien und ums Essen. Obwohl sie nach 14 Monaten strikter Diät nur noch 43 Kilogramm wog, empfand sich die Jugendliche im Spiegel immer noch als zu dick. Wie Rebekka leiden viele Magersüchtige an einer verzerrten Körperwahrnehmung. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Krankheit zu Veränderungen im Gehirn führen kann. Betroffene schauen auf ihren nach innen gewölbten Bauch und haben das Gefühl, dass dieser immer noch zu dick sei. Sie realisieren nicht, dass ihre Wahrnehmung nicht mehr der Wirklichkeit entspricht. Dem Tod von der Schippe gesprungen Rebekkas Eltern machten sich sehr grosse Sorgen um ihre Tochter und konsultierten verschiedene Fachpersonen. Die Hausärztin der Familie veranlasste schliesslich die Einlieferung des Teenagers in lebensbedrohlichem Zustand in eine Klinik für magersüchtige Jugendliche ein. Damals wog Rebekka nur noch 38 Kilogramm, also weniger als sie in der fünften Klasse wog. Sie hatte keine Menstruation mehr, litt an Kon- Merkmale der Magersucht Nicht alle dünnen Mädchen sind magersüchtig. Magersucht, in der Fachsprache Anorexie genannt, definiert sich wie folgt: • Von Magersucht spricht man, wenn der Body-Mass-Index 17,5 oder weniger beträgt. • Betroffene haben eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme. • Die Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts ist verzerrt: Menschen mit Magersucht fühlen sich trotz Untergewicht dick und unförmig. Gewisse Körperpartien (z. B. Bauch oder Oberschenkel) können sie enorm beschäftigen. • Durch strenges Fasten, übermässiges körperliches Training, Missbrauch von Abführmitteln und harntreibenden Mitteln (Diuretika) oder durch Erbrechen wird versucht, das Gewicht mög lichst tief zu halten oder zu senken. • Die Geschlechtsdrüsenfunktion ist beeinflusst: Bei Frauen bleibt die Menstruationsblutung aus. Bei der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln kommt es jedoch bei den meisten Untergewichtigen zu Hormonentzugsblutungen. • Menschen mit Magersucht bewegen sich oft trotz ihres Untergewichtes erstaunlich viel. • Manche Betroffene trinken sehr viel Kaffee oder Cola Zero. • Kalorienzählen, sehr häufiges Auf-die-Waage-Stehen und die dauernde Beschäftigung mit dem Essen prägen den Alltag. • Oft fehlt lange die Einsicht, dass etwas mit dem Essverhalten nicht stimmt. Die körperlichen und psychischen Folgen des Untergewichts werden meist lange verleugnet. (Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Ess-Störungen AES) 22 Schweizer Hausapotheke 7-2017

zentrationsstörungen und chronischer Müdigkeit. Auch psychisch war sie so labil, dass sie ihre Lehre abbrechen musste. Steiniger Weg zurück in die Normalität Erst in der Klinik erkannte Rebekka, dass sie krank war und die Magersucht die Kontrolle über sie erlangt hatte. Insgesamt blieb sie neun Monate in der Klinik. Dank der Psychotherapie und ernährungspsychologischer Beratung gelang es ihr, die Krankheit zu überwinden und zu einem normalen Essverhalten zurückzufinden. Fett und Zucker sind heute für sie genauso tabu wie Hungern. Auch ihr Gewicht hat sich wieder Hilfe für Menschen mit Magersucht Die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen AES wurde von betroffenen Eltern gegründet. Hier finden Magersüchtige und deren Familie Hilfe. Zur Hauptaufgabe der AES gehört die Beratung per Mail, per Telefon und vor Ort. Die Beratung ist kostenlos und kann auf Wunsch auch anonym erfolgen. Weitere Infos: www.aes.ch oder 043 488 63 73. normalisiert. Von ihrem Lehrbetrieb hat sie eine zweite Chance erhalten. Im letzten Sommer hat sie ihre KV-Lehre abgeschlossen. Wenn sie heute Fotos der schlimmsten Zeit in ihrem Leben betrachtet, kann sie kaum nachvollziehen, dass sie damals nicht erkennen konnte, wie krank sie war. Krankheit mit Sterberisiko An Magersucht leiden vor allem Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, aber auch Männer und ältere Menschen können davon betroffen sein. Manche Menschen leben jahrzehntelang mit der Krankheit. Eine von zehn Magersüchtigen stirbt an den Folgen, am häufigsten an Herzversagen oder Suizid. Je länger die Krankheit andauert, desto grösser ist das Sterberisiko. Rebekka gehört zur Hälfte der Magersüchtigen, die dank einer Therapie Heilung erfahren. Für die andere Hälfte bleiben Essstörungen ein Problem, mit dem sie zeitlebens konfrontiert sind. Bei 20 Prozent der Betroffenen entwickelt sich die Magersucht zu einer chronischen Krankheit, 30 Prozent werden bulimisch oder haben Essattacken ohne zu erbrechen. Die Sorge der Eltern Eltern von magersüchtigen Mädchen oder Jungen leiden enorm und suchen die Fehler schnell bei sich. Sie nehmen die Magersucht als Bedrohung wahr, während die Betroffenen in ihr einen Rettungsanker sehen. Eltern sollten versuchen, den Mut zu finden hinzuschauen, auch wenn sie Schuldgefühle haben. Sie sollten nichts beschönigen oder die Krankheit gar tabuisieren. Besser ist es, wenn sie ihr betroffenes Kind konfrontieren, indem sie ihm sagen, was sie beobachten und dass sie sich Sorgen machen und ihm auch aufzeigen, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt. Für betroffene Jugendliche ist es ganz zentral, dass sie die Wahl der Massnahmen selber treffen dürfen. Die Gratwanderung zwischen Konfrontation mit den eigenen Beobachtungen und Gefühlen und dem Zeigen von Verständnis, dass Betroffene Raum brauchen, ist für Eltern nicht einfach. Am besten holen sie sich frühzeitig professionelle Hilfe. *Namen der Redaktion bekannt Susanna Steimer Miller Chefredaktorin eines Elternratgebers. Freie Autorin zu diversen Themen Müde und erschöpft? ® Dynamisan forte Stellt Ihre Energie wieder her. Erhältlich in Ihrer Apotheke und Drogerie. Bei Müdigkeit und Erschöpfung hilft Dynamisan ® forte mit einem hochkonzentrierten Komplex zweier Aminosäuren. Das sind natürliche Substanzen, die bereits in unserem Körper und unserer Nahrung vorkommen. Dynamisan ® forte gibt Ihnen Ihre geistige und körperliche Leistungsfähigkeit wieder zurück – wenn Sie sie am meisten brauchen. Dies ist ein zugelassenes Arzneimittel. Lesen Sie die Packungsbeilage. GSK Consumer Healthcare Schweiz AG Schweizer Hausapotheke 7-2017 23

Unsere Zeitschriften

Schweizer Hausapotheke

Nr. 5 Juli/August 2018
Teddy Zeit 2018
Nr. 4 Mai/Juni 2018
Nr. 3 April/Mai 2018
Nr. 2 März/April 2018
Nr. 1 Februar/März 2018
Nr. 8 Dezember/Januar 2017
Nr. 6 September/Oktober 2017
Beckenbodentraining
Ernährung im Alter
Gewinnen Sie einen Gatsby Elektromobil-Oldtimer im Wert von Fr. 4450.00