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Nr. 7 Oktober/November 2017

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Beschwingt durch den Herbst

Alkohol im Alter Es gibt

Alkohol im Alter Es gibt eine Reihe von Menschen, die mit dem übersteigerten Alkoholkonsum erst im späteren Leben anfangen. Häufige Gründe: der Verlust des Partners, Krankheit, Einsamkeit, der Umbruch mit Beginn des Rentenalters. Persönliche Schicksalsschläge können dazu führen, dass ältere Menschen verstärkt anfangen zu trinken. Das Ausscheiden aus der Arbeitswelt, der Verlust an Kontakten und Autonomie, der schwer verkraftbare Verlust des Partners oder der Partnerin, der Verlust von Freunden oder die Angst vor dem Alleinsein lassen Frauen und Männer frustriert zum Tröster Alkohol greifen. 44 Schweizer Hausapotheke 7-2017 Zahlen in der Schweiz In der Schweiz sind geschätzte 250 000 Personen alkoholabhängig (Quelle BAG, Bundesamt für Gesundheit); im Jahr 2011 konsumierten laut den Zahlen des Suchtmonitoring Schweiz zirka 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung täglich Alkohol. 15,1 Prozent der Männer und 6,5 Prozent der Frauen täglich mindestens einmal Alkohol. 7,3 Prozent der Männer und Frauen im Alter von 65 bis 74 Jahren weisen einen chronisch-risikoreichen Alkoholkonsum auf. «Im Alter kann doch ein Gläschen nicht schaden», wird behauptet. Männer und Frauen haben ihre kleinen Gewohnheiten, zum Beispiel ein Glas Wein zum Mittagessen, ein Bier oder ein Likör zum Fernsehen. Es kann eben auch ein Gläschen zu viel sein. Kurzfristig schafft dieser vielleicht Erleichterung und Vergessen, doch vermag er in keinem Alter die Probleme zu lösen. Mit zunehmendem Alter werden alkoholische Getränke nämlich weniger gut vertragen. Von welchen Mengen an der «gute» zum schädlichen Tropfen mutiert, hängt unter anderem vom Geschlecht, dem Alter, dem Gesundheitszustand und dem genetischen Hintergrund ab. Immer wieder ist zu hören, Alkohol habe auch eine gesundheitsfördernde Wirkung. Fachleute empfehlen, dass 65-Jährige und Ältere nicht mehr als ein Glas Alkohol täglich trinken sollten, also zum Beispiel 0,25 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein, aber am besten gar keinen! Weit zuverlässiger und ohne schädliche «Nebenwirkungen» lässt sich das Herzinfarktrisiko durch körperliche Aktivitäten und eine fettarme und gesunde Ernährung senken! Erhöhte Empfindlichkeit Im Alter wird empfindlicher auf alkoholische Getränke reagiert; denn der Alkohol verteilt sich weniger gut im Gewebe und bleibt länger im Körper. Dieselbe Menge konsumierten Alkohols hat daher bei einem älteren Menschen eine höhere Blutalkoholkonzentration zur Folge als bei einem jüngeren. Dies kann für Seniorinnen und Senioren, beispielsweise beim Autofahren, tragische Folgen haben. Aber auch bei Stürzen – eine häufige Unfallursache bei älteren Personen – spielt der Alkohol oft eine tragische Rolle. Ebenso bedeuten Alkohol- und Medikamenteneinnahmen eine gefährliche Mischung. Bereits

ein Ein- oder Zwei-Gläser-Mix kann schlecht vertragen werden. Dies gilt auch insbesondere für Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel sowie Antidepressiva. Aber auch blutsenkende Medikamente oder Antidiabetika sind mit Alkohol nur schlecht vereinbar; denn solche Kombinationen wirken sich negativ auf das Nervensystem aus. Immerhin nehmen viele Seniorinnen und Senioren eine Vielzahl an Arzneien ein. Zum Abbau von Alkohol benötigen die Nervenzellen rund 80 Prozent des Zellsauerstoffes. Einige «Stärkungsmittel, die für ältere Menschen angeboten werden, enthalten ebenfalls Alkohol. Deshalb ist unbedingt Vorsicht im Umgang geboten. Kontaktarm und frustriert Meist ist es ein psychosoziales Problem, das beachtet werden muss. Einsamkeit ist es, das so viele Rentnerinnen und Rentner auch in der Schweiz in die Alkoholsucht treibt. Oft fühlen sich ältere Menschen nicht mehr gebraucht, zweifeln an ihrer eigenen Leistungsfähigkeit und befürchten, andere Menschen zu belasten, sofern sie krank und hilfsbedürftig werden. Ausserdem fehlt ihnen die gewohnte Zeitstruktur des Tages, die sie von ihrer Berufstätigkeit oder Familie her kennen, und so müssen sie sich an die Veränderungen in ihrem Lebensrhythmus anpassen. Gelingt diese Anpassung nicht, werden aufkeimende Einsamkeit und Langeweile oftmals mit Alkohol betäubt, einem Suchtmittel eben, das leicht und unauffällig zu beschaffen ist. Statt täglich zu kochen, richtig zu essen und genügend Früchte und Gemüse zu konsumieren, halten sie sich vorab an Alkoholisches, was dazu führt, dass sie – nicht zuletzt weil auf leeren Magen Wein und Schnäpse hinuntergespült werden – noch viel schneller betrunken sind. Auf Grund ihrer Alkoholsucht begeben sich ältere Betroffene schliesslich in die völlige soziale Isolation. Für viele von ihnen lassen die krassen Ereignisse eine Welt zusammenbrechen, aus der sie den Weg nach draussen nicht mehr finden können. Sie glauben, Verlusterlebnisse oder die jetzt fehlende Anerkennung durch berufliche Erfolge mit Hilfe von Alkohol kompensieren oder einfach besser ertragen zu können – sie verlieren ihren Lebensinhalt. Und bemerken sie, dass der Alkohol die eigentlichen Probleme doch nicht löst, sondern sein zunehmender Missbrauch eher noch weitere Probleme schafft, ist es meistens schon zu spät einfach damit aufzuhören. Gerade Menschen, die Suchtprobleme im Alter haben, halten es oft für sinnlos, mit dem Trinken aufzuhören, da sie sich fragen, für wen oder was sie dies tun sollten. Schlimm sind die Zeiten hoher Feiertage wie Ostern, Weihnachten und Silvester. Da trauern sie ihren Erinnerungen nach und lassen sich in ihren einsamen Stuben volllaufen. Alkoholiker sind Weltmeister im Vertuschen und betreiben einen enormen logistischen Aufwand, um ihre versteckten Depots anzulegen. Aber ihre Sucht bleibt auch häufig unbemerkt oder sogar unerkannt. Meistens eben deshalb, weil alte Menschen – im Vergleich zu hilfsbedürftigen Kindern – oft keine Schutzreaktion mehr bei den Beobachtern auslösen. Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung gilt es den Patienten und die ihm nahestehenden Personen eingehend aufzuklären und in der Suchttherapie die Ursachen für den erhöhten Alkoholkonsum einfühlsam anzugehen. Jacqueline Trachsel Journalistin BR, seit 1994 als selbständige Journalistin/ Redaktorin für diverse Medien PAPER_ADVERT_MediaPresse_OlivaFix_189by126mm 195 R20092017DBJ DE.pdf 4 20/09/2017 10:41:07 C M Y CM MY CY CMY K Schweizer Hausapotheke 7-2017 45

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