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Nr. 8 Dezember/Januar 2017

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Seelenhunger | Immunsystem | Pilates

Emotionen sind

Emotionen sind wirkungsvolle Druckmittel. Wenn sie in Partnerschaften zur Einschüchterung eingesetzt werden, ist dies ein Spiel mit dem Feuer. Es kann der Anfang vom Ende der Beziehung bedeuten. Es ist 00.15 Uhr, als Patrick Steger den Schlüssel ins Schloss der Wohnungstüre steckt und umdreht. Er gibt sich grosse Mühe, möglichst geräuscharm zu sein. Nach dem Fitnessstudio besuchte er mit einigen Kollegen eine Bar. Als er nach dem ersten Bier heimkehren wollte, überredeten sie ihn zu weiteren Drinks und zum Bleiben. Seine Frau mag es nicht, wenn er mehr als ein Glas trinkt und spät nach Hause kommt. Mit missmutigem Gesichtsausdruck bleibt sie danach tagelang einsilbig. Deshalb holt er nun so leise wie möglich das Duvet und das Kopfkissen aus dem Doppelbett im Schlafzimmer, legt es aufs Sofa im Wohnzimmer und kriecht in seine provisorische Liege... Jeanine Bartholet würde gerne wieder mal mit ihrem Mann ausgehen. «Philipp, da läuft ein tolles Musical im Kulturzentrum. Das muss sagenhaft schön sein, auch wegen der tollen Kostüme. Das möchte ich unbedingt mit dir sehen.» Ihr Mann sitzt im Lehnstuhl, die Tageszeitung aufgeschlagen. Mit missmutigem Unterton kommentiert er: «Ich dachte, wir wollen auf ein neues Auto sparen? Dir zuliebe bin ich vor drei Monaten in ein Musical mitgekommen. Es war vergeudete Zeit.» Als sie ihren Wunsch verteidigt, vertieft er sich weiter in die Zeitung und reagiert nicht mehr auf ihre Argumente. Zwei Situationen, in denen Druck auf den Partner/die Partnerin ausgeübt wird. Die Einflussnahme geschieht unterschwellig, etwa durch strafende Blicke oder durch gereizten Tonfall. Moralischer Druck enthält oft vage Zwischen-den-Zeilen- Vorwürfe wie etwa: «Du verhältst dich unmöglich», «so wie du bist, bist du nicht liebeswert», «das Zusammenleben mit dir ist eine Qual», «ich bin sehr enttäuscht von dir.» Oft bleibt in der Not nur eine Entschuldigung, um den Haussegen wieder einigermassen geradezurücken. Doch wofür soll man sich entschuldigen, wenn man gar nicht weiss, was man konkret falsch gemacht haben soll? In die Opferrolle schlüpfen In seiner besonders destruktiven Form zeigt sich moralischer Druck als misstrauische Überwachung der Partnerin oder des Partners, etwa per SMS. Damit rückt er in die Nähe des Psychoterrors. Das Vertrauensverhältnis, das eine Beziehung trägt, bröckelt so kontinuierlich dahin. Moralischer Druck tritt in Partnerschaften in vielfältiger Weise auf: mit Schmollen, Eingeschnappt sein, mit trotzigem Verweigern, pedantischem Nörgeln, mit Einschüchterung, abschätzigen Kommentaren, Liebesentzug, den Blicken demonstrativ ausweichen, mit Lächerlichmachen, missmutigem Brummen, mitleidigem Seufzen, mit Schuldgefühle wecken, gereiztem Tonfall, feindseligen Unterstellungen. Alte Fehler werden vorgehalten, Angehörige in Intrigen eingespannt, es wird in die Opferrolle geschlüpft oder gedroht. Eine weitere heimtückische Form ist das geschickte Spielen mit der Opfer- und Täterrolle. Dazu gehört etwa das absichtliche Verdrehen von Äusserungen der Partnerin oder des Partners. Moralische Angst in der Beziehung Nicht immer sind Manipulationsversuche offensichtlich, manchmal werden sie unterschwellig ausgeübt. Sie können ähnlich wirken wie ein Korsett, das immer enger geschnürt wird. Wenn folgende Fragen mit ja beantwortet werden, weist dies auf offene oder unterschwellige Druckversuche hin: Vermeide ich aus Angst vor der Reaktion des Partners/der Partnerin bestimmte Verhaltensweisen? Habe ich den Eindruck, mich übermässig oft entschuldigen oder rechtfertigen zu müssen? Gebe ich mir ständig Mühe, die Partnerin oder den Partner ja nicht zu enttäuschen? Habe ich den Eindruck, in der Partnerschaft nicht mich selber sein zu können, weil ich sonst den Unmut meiner Partnerin oder meines Partners provozieren könnte? Personen, auf die übermässig oft mo- Bei Schmerzen und Entzündungen Schmids Sportcreme kann angewendet werden bei Schmerzen und Entzündungen von Gelenken, Muskeln, Bändern, Sehnen, bei stumpfen Verletzungen oder als unterstützende Massnahme bei Rheuma, Arth ritis, Arthrose und Gicht. Rezeptfrei erhältlich in Drogerien und Apotheken. Bitte lesen Sie die Packungsbeilage. www.medicoss.ch BON 3.- beim Kauf einer Schmids Sportcreme Händlerhinweis: Vergütung in Ware durch unseren Aussendienst. Nicht kumulierbar. 42 Schweizer Ins_SchmidsSportcreme_189x61_d+f_3.11.indd Hausapotheke 8-2017 1 08.03.11 17:45

Manipulation ralischer Druck ausgeübt wird, verlieren mit der Zeit den Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen oder stellen sie zurück. Sie sind mehr und mehr darauf ausgerichtet, vor allem die Wünsche des Gegenübers zu erfüllen. Wer gegen die eigenen Überzeugungen «dem Frieden zuliebe» immer wieder schweigt oder bestimmte Dinge nicht tut, wurde «erfolgreich» moralischer Manipulation ausgesetzt. Die Motive für das Druckausüben in einer Partnerschaft können sehr unterschiedlich sein. Zunächst ist da das angelernte Vorbild. Das Verhalten in Partnerschaften wird oft unbewusst von den Eltern kopiert. Bei ihnen erleben Kinder modellhaft, wie ein Paar miteinander umgeht. Wenn es immer wieder zu angedeuteten oder offen ausgesprochenen Drohungen kommt, verinnerlichen Kinder, dass dies ein angemessenes Mittel ist, um seine Bedürfnisse durchzusetzen. Ein weiterer Grund ist Angst, etwa vor dem Verlassenwerden, oder die Befürchtung, nicht zu genügen, nicht liebenswert zu sein. Druck wird oft aus Überforderung und aus Hilflosigkeit ausgeübt. Er mildert das beängstigende Gefühl eigener Machtlosigkeit. Auch Menschen, die im Gegensatz dazu ein überentwickeltes Selbstwertgefühl besitzen, neigen zur Manipulation. Sie sind überzeugt, dass sie eigene Wünsche mit entsprechendem moralischem Druck durchsetzen dürfen. Sie haben Mühe, die Bedürfnisse der Partnerin oder des Partners als gleichwertig anzuerkennen. Fehlentwickelte Partnerschaft Moralischer Druck verfängt nicht bei allen Menschen. Besonders gefährdet sind Personen mit einem instabilen Selbstwertgefühl. Sie lassen sich rasch verunsichern. Sie haben nie gelernt, für ihre Bedürfnisse klar und deutlich einzustehen und sich Respekt zu verschaffen. Zum Teil wurden sie in der Kindheit wenig gelobt und ermuntert, stattdessen oft kritisiert und entmutigt. Die Rolle des Benachteiligten und des Übergangenen ist ihnen seit frühen Tagen vertraut. Zum Teil kritisieren und entwerten sie sich als Folge davon innerlich selber. Bei schwierigen Situationen suchen sie den Fehler stets bei sich. Sie geraten zudem rasch in eine Verteidigungs- und Rechtfertigungshaltung. Für die Manipulierenden ist dies der Beleg, dass ihre Strategie wirkt. Entsprechendem Druck zu widerstehen ist gar nicht so einfach. Da er in sehr unterschiedlicher Weise ausgeübt wird, gibt es kein allgemeingültiges Patentrezept. Oft hilft offenes Ansprechen im Sinne von: «Ich merke, dass du mich unter Druck setzen willst, ich mag das nicht.» Manipulationsversuche werden in ihrer Wirkung geschwächt, wenn man sie offen thematisiert. Manche Menschen, die andere auf ausgeklügelte Weise zu beeinflussen versuchen, lassen von ihrem Tun ab, wenn sie sich durchschaut fühlen. Einige inszenieren in der Folge eine Art von verdecktem Machtkampf. Sie steigern ihre Drohungen, sie wecken zusätzliche Schuldgefühle oder sie vergiessen Tränen. Wenn das Gegenüber schwach wird, triumphieren sie innerlich, weil ihre Strategie noch immer funktioniert. Wer trotz Widerstand Druckversuchen erliegt, fühlt sich oft als unterlegen und macht sich Selbstvorwürfe. Wenn es in einer Partnerschaft immer wieder Besiegte und Sieger gibt, ist die Liebe am Erlöschen. Passiert dies, stellt sich die Frage, ob man in dieser Partnerschaft momentan noch am richtigen Platz ist. Eine starke und stabile Beziehung ist von Wohlwollen, Toleranz, Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft geprägt. Sie wird von beiden Personen gemeinsam gestaltet. Häufige Manipulationsversuche sind dagegen ein Anzeichen für eine fehlentwickelte Beziehung. Wenn einer der Partner sich immer wieder dem Druck des anderen beugen muss, ist die Beziehungsbalance aus dem Gleichgewicht, ein klärendes Gespräch überfällig. Wenn dieses nicht fruchtet, kann eine zeitweilige Trennung im Sinne einer Denkpause die Situation beruhigen. Auch eine professionelle Partnerschaftsberatung sollte ins Auge gefasst werden, damit die Beziehung wieder in konstruktive Bahnen gelenkt werden kann. Adrian Zeller FRAGEN ZU ZAHNIMPLANTATEN? www.implantatstiftung.ch oder 031 311 94 84 Schweizer Hausapotheke 8-2017 43

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