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Teddy Zeit 2018

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Das Magazin für junge Eltern

Brücke Im Idealfall

Brücke Im Idealfall sind Grosseltern viel mehr als ein notfallmässiger Kinderhütedienst. Schon seit Tagen freut sich die kleine Svenja auf das Wochenende. Sie darf zu ihren Grosseltern und sie darf dort zweimal schlafen. Sie weiss, was das für sie bedeutet. Der Grossvater erzählt ihr immer tolle Geschichten, Grossmutter kocht ihre Lieblingsmenüs und spielt stundenlang mit ihr, Grossvater lacht viel mit ihr und hat immer lustige Ideen. Für Svenja sind Besuche bei den Grosseltern immer Höhepunkte. Sie versteht sich gut mit ihnen, es ist ihr wohl bei ihnen, sie fühlt sich angenommen, ernstgenommen, geliebt und geborgen. Wenn das Verhältnis zwischen den Eltern und den Grosseltern gesund ist, dann sind Grosseltern für ihre Grosskinder ein Segen. Sie unterstützen Familien im Alltag und in besonderen Lebenslagen, sie gelten als die stillen Retter, als «Feuerwehr», wenn es terminlich brennt. Grosseltern springen als Betreuung ein, wenn das Enkelkind krank ist, sie helfen uneigennützig beim Renovieren und fangen manche Finanzkrise auf. Ohne Grosseltern könnten viele junge Eltern jahrelang nicht ausgehen, keine Nacht durchschlafen, sie dürften nicht krank werden. Für die Enkelkinder treten Grosseltern nicht selten auch im Falle einer Trennung oder Scheidung als Beschützer und Ratgeber auf. Wenn sich die Eltern trennen, fällt es Grosseltern als Aussenstehende oft leichter, die Nöte, Wünsche und Bedürfnisse eines Kindes zu erkennen, als den Eltern selbst. Gerade in solch schwierigen Situationen brauchen Kinder mindestens eine Bezugsperson, die vertrauensvoll, verfügbar und verlässlich ist. In schwierigen Lebensphasen oder Krisen kommt diese Funktion nicht selten den Grosseltern zu. Nebst den Eltern stellen die Grosseltern eine extrem wichtige Betreuungsfunktion dar, insbesondere für Kinder bis zu sechs Jahren. Eine Untersuchung in Deutschland hat ergeben, dass 47 Prozent der Grossmütter mindestens ein Enkelkind regelmässig betreuen. Sehr oft dabei ergänzen die Grosseltern eine institutionelle Betreuung (zum Beispiel Kindertagesstätten). Grosseltern vermitteln Werte Da seit einigen Jahrzehnten die Familien immer weniger Kinder haben, fehlt es vielen Kindern an Geschwistern. Auch haben die Kinder weniger Cousins und Cousinen und weniger Onkel und Tanten. Dadurch steigt die Bedeutung der Grosseltern zusätzlich. Es geht aber nicht nur darum, dass Grosseltern ihre Enkel hüten, die Bedeutung von Grosseltern geht deutlich weiter. Grosseltern vermitteln Werte, sie geben Einblick in die Familiengeschichte, sie erzählen von früher und bringen dadurch den Kindern das Leben älterer Generationen näher, sie ergänzen die Eltern in der Erziehung und leisten oft auch noch materielle und finanzielle Unterstützung. Der Nutzen liegt dann nicht nur bei den Grosskindern, sondern nicht zuletzt auch bei den Eltern. Die zunehmende Berufstätigkeit beider 20 TeddyZeit 2018 SCHWEIZER Hausapotheke

zu anderen Welten Elternteile macht die Betreuung durch die Grosseltern häufig notwendig. Entweder weil kein Betreuungsplatz verfügbar ist, weil eine Kindertagesstätte nicht ideal erscheint, kaum finanziert werden kann oder weil Grosskinder auf Grund der Arbeitszeiten der Eltern auch an Randzeiten betreut werden müssen. Bindungsverhalten Mehrere internationale Studien weisen darauf hin, dass die Beziehung zwischen Grosseltern und Grosskindern häufig als eine bereichernde, positive Beziehung erlebt wird. Grosskinder können in der Beziehung zu ihren Grosseltern ihr Bindungsverhalten und somit auch ihre Beziehungsfähigkeit erleben und üben. Das Vorhandensein zusätzlicher Bezugspersonen hat für die Kinder grosse Vorteile. So zum Beispiel die emotionale Nähe und ein starkes Gefühl, von den Grosseltern angenommen und akzeptiert zu werden. Doch auch für die Grosseltern hat eine gute Beziehung zu den Grosskindern Vorteile. Das Gefühl, gebraucht zu werden (vor allem dann, wenn die Grosseltern nicht mehr berufstätig sind) sowie einen positiven Einfluss auf das Leben der Grosskinder ausüben zu können. Bei Beziehungen zwischen Grosseltern und Grosskindern spielt übrigens die geografische Nähe keine wesentliche Rolle. Räumliche Nähe bedeutet nicht automatisch eine intensivere Beziehung. Und es ist auch nicht die Quantität der gemeinsam verbrachten Zeit, sondern die Qualität. Kinder spüren bekanntlich sehr schnell, wer es mit ihnen wirklich gut meint und von wem sie geliebt werden. Untersuchungen in Österreich haben übrigens ein ganz interessantes Ergebnis zu Tage gebracht: Am häufigsten und am intensivsten ist der Kontakt der Grosskinder zu den Grossmüttern mütterlicherseits. Dies kommt wahrscheinlich daher, dass Frauen familiäre Beziehungen intensiver pflegen als Männer. Grosseltern als «Lehrer» Wenn Grosseltern zu ihren Grosskindern eine gute Beziehung pflegen, dann erweitern sie das Erfahrungsfeld und erhöhen dadurch auch die Selbstsicherheit des Kindes. Grosseltern bedeuten für Grosskinder eine Konstante, die eine hohe emotionale und soziale Sicherheit bietet. Grosseltern bestärken ausserdem den familiären Zusammenhalt und bestärken die Geborgenheit innerhalb einer Familie. Kinder mögen es übrigens sehr, wenn ihnen die Grosseltern Geschichten von früher erzählen und die Kinder dann ihre eigene Familiengeschichte besser kennen und verstehen. Grosseltern können auch (früher wahrscheinlich mehr als heute) in der religiösen Erziehung der Grosskinder eine wichtige Rolle spielen. Was Kinder ganz besonders schätzen: Bei den Grosseltern darf man hin und wieder etwas tun, was bei den Eltern nicht möglich ist. Grosseltern sind oft etwas toleranter und drücken eher ein Auge zu. Beim Verzehr einer Süssigkeit, bei einer Fernsehsendung oder bei der Zeit zum Schlafengehen. Diese Toleranz kann in bestimmten Fällen ein notwendiger Ausgleich zu elterlichen Haltungen sein. Gerade bei Themen, wo sich Eltern und Kinder immer wieder in die Haare geraten, können Grosseltern auf eine lockere und tolerante Art mit etwas Abstand vermitteln und helfen. Neue Welten Nicht selten eröffnen Grosseltern den Grosskindern neue Welten. So auch bei Svenja. Ihr Vater ist Informatiker, die Mutter ist Juristin. Der Grossvater lebt in einer anderen Welt. Er ist ein ausgesprochener Naturfreund, betätigt sich als Imker, ist oft auf Wanderungen, er kennt alle Bäume, Pflanzen, sämtliche Insekten und ist oft mit Svenja in der Natur unterwegs. Dadurch kann Svenja Dinge erleben, erfahren und erlernen, die mit ihren Eltern nicht möglich wären. Nicht, dass ihr die Eltern nichts bieten würden, doch Streifzüge durch die Natur mit dem Grossvater sind für Svenja immer ein grosses Geschenk. Und einen positiven Nebeneffekt haben diese Ausflüge auch noch: Svenja hat sich dadurch auch ein äusserst positives Bild von alten Menschen aufbauen können. Alte Menschen können ja auch interessant sein. Da Grossvater zunehmend Probleme mit seiner Gesundheit hat, macht Svenja auch noch Bekanntschaft mit körperlicher Gebrechlichkeit im Alter, mit der Vergänglichkeit des Lebens und irgendwann sogar auch mit dem Tod. Auch das gehört ja zum Leben und je früher ein Kind solche Erlebnisse machen kann, desto natürlicher werden diese Vorgänge für ein Kind. Personen, in diesem Falle der Grossvater von Svenja, können eine Brücke in unbekannte Welten darstellen. Unter günstigen Umständen kann diese Brückenfunktion auch während der Pubertät bedeutsam sein. Am besten gelingt das, wenn Grosseltern jederzeit unaufdringlich bleiben, ihre Werte zwar vermitteln, gleichzeitig aber die Werte des Kindes akzeptieren. Albin Rohrer SCHWEIZER Hausapotheke TeddyZeit 2018 21

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