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Teddy Zeit 2018

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Rund ein Fünftel der

Rund ein Fünftel der Menschen sind mittlerweile vorübergehend oder dauerhaft von allergischen Beschwerden betroffen. Bei den Kleinkindern sind es noch mehr. Was können Eltern tun, um das Allergierisiko zu reduzieren? Fehlerhafte Abwehrreaktionen In den Medien tauchen immer wieder schwierige und auch sperrige Begriffe wie Nahrungsmittelintoleranz, Lebensmitteallergie und Glutenunverträglichkeit auf. Gemäss Experten sind mittlerweile rund ein Viertel der Kinder von allergischem Schnupfen, Neurodermitis und ähnlichen Störungen betroffen. Nachdem die fehlerhaften Immunreaktionen bei Kleinkindern in den vergangenen Jahren zugenommen haben, bleibt die Zahl der Neuerkrankungen seit einiger Zeit ungefähr gleich; die genauen Gründe für den Anstieg und für die Stagnation kennt die Wissenschaft noch nicht. Aber sie kennt Faktoren, die eine fehlgesteuerte Abwehrreaktion begünstigen können. Dass Kleinkinder im Laufe ihrer Entwicklung vorübergehend zu Hautausschlägen und weiteren Beschwerden neigen, die nichts mit einer Allergie zu tun haben, macht die Sache nicht einfacher. Beispielsweise wird bei einem Körper voller Rötungen rasch an eine Neurodermitis gedacht. Bei genauerer Untersuchung zeigt sich, dass die Babyhaut zu trocken und daher gerötet ist. In der Anfangszeit arbeiten die Talgdrüsen unausgewogen, die Rückfettung der Haut funktioniert noch nicht zuverlässig. Dies ist nur ein Beispiel von verschiedenen Auffälligkeiten, die Kleinkinder betreffen, die leicht als allergische Reaktion fehlinterpretiert werden können. Auch bei Glutenunverträglichkeit sind Verwechslungen häufig, Verdauungsbeschwerden haben oft eine andere Ursache. Verwirrende Auffälligkeiten Es kursieren unterschiedliche Ratschläge, wie Kleinkinder vor Allergien geschützt werden können. So wird etwa Ziegen-, Schaf- oder Sojamilch als Alternative zu Kuhmilch empfohlen. Letztere soll besonders vorteilhaft sein, weil sie kein tierisches Eiweiss enthält. Doch Studien, die die allergieverhindernde Wirkung bestätigen, liegen nicht vor. Dasselbe gilt auch für Mandel- sowie für Reismilch. Experten raten sogar ausdrücklich von diesen Ersatzprodukten für Kleinkinder ab, da sie zu Defiziten an Nährstoffen führen können, die für die Entwicklung wichtig sind. Muttermilch gilt traditionell als wirkungsvolle Vorbeugung gegen verschiedene Allergien. In den letzten Jahren wurde diese Annahme gelegentlich in Zweifel gezogen. Es hiess, die Stillempfehlungen würden neu definiert, Breikost soll frühzeitig eingeführt werden, damit die Kinder bald mit allergenen Reizen kon- 30 TeddyZeit 2018 SCHWEIZER Hausapotheke

frontiert würden, dadurch seien sie besser gewappnet. Doch neuere Studien kommen zum Schluss, dass die Bedenken gegen die herkömmlich Art der Ernährung über die Brust unberechtigt sind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt ihrerseits das Stillen in den ersten sechs Monaten. In ihrer Zusammensetzung ist Muttermilch optimal auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt. Gegen ihr Eiweiss kann keine allergische Reaktion entwickelt werden. Sie enthält unter anderem bestimmte Inhaltsstoffe, die den Aufbau des kindlichen Immunsystems unterstützen. Immerhin macht ein Säugling im ersten halben Jahr seines Lebens ausserhalb des schützenden Mutterbauchs Bekanntschaft mit rund 300 verschiedenen Arten von Viren. Übertriebene Besorgnis ist allerdings nicht angebracht, ein Schutzmechanismus gegen viele Krankheiten ist jedem Baby angeboren. Im Weiteren hat es via Nabelschnur einen Vorrat an Abwehrzellen der Mutter mitbekommen. Zudem enthält auch die Muttermilch Schutzstoffe. Gleichzeitig muss der Organismus des Babys in Kontakt zu bestimmten Mikroben kommen, damit sich die Darmflora allmählich entwickeln kann. Defizite in der Vielfalt der Darmbakterien begünstigen unter Umständen spätere Allergien. Kontakte helfen der Abwehr Einerseits ist das Baby mit einem genetisch angelegten Immunsystem ausgerüstet, das es schützt. Das sogenannte adaptive Immunsystem ergänzt zusätzlich das angeborene. Es entwickelt sich ein Leben lang weiter, indem es spezifische Abwehrstoffe gegen unterschiedliche Pilzsporen, Bakterien und Viren entwickelt. Viele Kleinkinder sind in der Winterzeit von mehreren Erkältungen betroffen. Sie wirken als Immunisierungsprozesse gegen Virentypen, die der kindliche Organismus bisher noch nicht kannte. Jeder Aufenthalt in der Krabbelgruppe oder im Sandkasten bringt Kleinkinder mit neuen Mikroben in Kontakt. Diese aktive Immunisierung ist erwünscht, sie stärkt die Abwehrkräfte. Die präzise Trennung zwischen willkommenen und kritischen Keimen ist für das Immunsystem sehr anspruchsvoll. Beispielsweise sind die Bakterien in Joghurt und die Schimmelpilze in Weichkäse erwünscht, andere Pilz- und Bakterientypen müssen frühzeitig bekämpft werden. Die Abwehr ist in einem fortwährenden Lernprozess. Beispielweise bringt ein Ausflug in einen Streichelzoo oder auf einen Bauernhof das Kleinkind mit vielen neuen Mikroben in Kontakt. Kinder, die in einer ausgesprochen hygienischen Umgebung aufwachsen, haben ein höheres Allergierisiko. Über die Gründe, weshalb das sehr komplexe und ausgeklügelte Immunsystem gelegentlich versagt und bespielweise harmlose Erdbeeren als etwas sehr Gefährliches betrachtet, forscht die Wissenschaft intensiv, aber bisher ohne endgültige Resultate. Einschränkungen wirken kontraproduktiv Das menschliche Immunsystem ist ein komplexes Gebilde. Seine Elemente sind über den gesamten Organismus verteilt. Ein entscheidender Bestandteil ist die Darmschleimhaut, sie muss wie ein sehr ausgeklügelter Filter Nährstoffe von schädlichen Substanzen trennen. Dabei spielt die Darmflora eine zentrale Rolle. Sie besteht aus ungefähr 400 Bakterienarten. Besonders wichtig ist, dass die erwünschten Bakterien besonders reichlich vorhanden sind, damit sich die schädlichen weniger leicht festsetzen können. In der Darmschleimhaut von gestillten Kindern lassen sich besonders viele gesundheitsfördernde Bifidusbakterien nachweisen. Sechs Monate lang gestillte Kinder neigen weniger zu Magen- Darm-Infekten und zu Atemwegserkrankungen. Stillen versorgt einerseits das Baby mit Nahrung, gleichzeitig wird es besänftigt und beruhigt. Dieser Abbau von Stresshormonen wirkt sich zusätzlich positiv auf die Entwicklung des Kindes aus. Durch Stillen macht der kindliche Körper zudem Bekanntschaft mit winzigen Spuren verschiedener Eiweisse aus der Nahrung der Mutter, so kann er sich allmählich an sie gewöhnen. Noch immer kursieren Empfehlungen zu bestimmten Nahrungsmitteln wie etwa Eier, Nüsse und Fisch, die schwangere und stillende Mütter meiden sollten, um das Allergierisiko beim Kind tief zu halten. Neuere Forschungen kommen zum Schluss, dass derartige Einschränkungen unnötig und sogar kontraproduktiv sind, weil dadurch dem Baby an bestimmten Nährstoffen mangeln könnte. Zwischen dem fünften und siebten Monat sollte die Brustmilch durch ausgewogene Beikost ergänzt werden. Pro Woche sollte ein neues Nahrungsmittel eingeführt werden, so kann sich das Immunsystem langsam an die neuen Stoffe gewöhnen. Gerötete Haut oder Augen sowie Atemstörungen sind mögliche Hinweise auf eine Unverträglichkeit, dann sollte eine Stillberaterin oder ein Kinderarzt um Rat gefragt werden; Unverträglichkeiten können vorübergehend sein. Diese Fachpersonen sollten auch frühzeitig bei erhöhtem Allergierisiko konsultiert werden: Einige Babys haben eine genetisch angelegte Neigung zu überschiessenden Abwehrreaktionen. Wenn ein Geschwister oder ein Elternteil Allergiker ist, liegt die Wahrscheinlichkeit beim Kind, ebenfalls betroffen zu werden, bei 20 bis 40 Prozent. Sind beide Elternteile erkrankt, liegt das Risiko für das Kind bei 80 Prozent. Allerdings können Veranlagungen so gesteuert werden, dass ein Ausbruch der Abwehrstörung weniger wahrscheinlich wird. Adrian Zeller SCHWEIZER Hausapotheke TeddyZeit 2018 31

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