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Nr. 1 / 2021

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Voll im Öl Gute

Voll im Öl Gute Ayurvedakuren sind hierzulande rar. Meist beschränken sie sich auf Wellnessmassagen und Stirngüsse ohne ärztliche Betreuung. Ein Kuraufenthalt in Südindien indes verändert einiges. Indien gilt als Ursprungsland des klassischen Ayurveda. Insbesondere im indischen Bundesstaat Kerala, im Südwesten des Landes, gibt es zahlreiche Ayurveda-Kliniken und -Resorts, deren Angebot an Massagen viele Gäste aus Übersee anlockt. Mit den meisten hierzulande durchgeführten Ayurveda Wellnessmassagen haben echte ayurvedische Anwendungen aber wenig gemein. Dennoch wird auch in Indien die eine «richtige» Kur nicht angeboten. Jede Klinik/jedes Resort und jede/r Ayurveda Ärztin/Arzt hat ihr/sein eigenes Konzept. Überdies werden die Behandlungen regional unterschiedlich gehandhabt. Individueller Behandlungsplan Wer sich für eine Kur entscheidet, tut dies normalerweise, um sich vom Alltagsstress zu erholen, um kleine gesundheitliche Probleme zu beheben und um neue Kraft zu tanken. Am Anfang einer jeden Kur steht eine ausführliche Untersuchung durch eine/n Ayurveda Ärztin/Arzt. Indem diese/r die vorherrschenden Doshas (Gemütsverfassungen, siehe Box «Die Wissenschaft vom Leben») diagnostiziert, legt sie/er die Grundzüge für die Behandlung im Rahmen eines individuellen Behandlungsplans fest. Wichtiger Bestandteil einer jeden Kur ist neben Massagen und Ernährung die Kräutermedizin. Mehrmals täglich nimmt man verschiedene Pillen, Pasten und Abkochungen ein. Reinigungs- und Regenerationskuren dauern mindestens zwei Wochen, deren erste der Reinigung des Körpers mit Ganzkörpermassagen und individueller Kräutermedizin dient. Ölmassagen sind fester Bestandteil einer jeden Behandlung. Auch wenn diese harmlos wirken: Deren Wirkung ist intensiv, und der Körper braucht Zeit zur Verarbeitung. Nach der ayurvedischen Lehre sollen mit Ölmassagen und 54 Schweizer Hausapotheke 1-2021 Kräutermedizin die «Körperkanäle» geweitet werden, damit angesammelte Giftstoffe ausgeschieden werden können; jede starke Veränderung der Temperatur – etwa durch Schwimmen oder «Sünnele» – führt dazu, dass sich die sogenannten «srotas» wieder schliessen und der Kurerfolg infrage steht. Tiefgreifende Wirkung Die Ernährung spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle im Ayurveda. Die Gäste bekommen mit dem Behandlungsplan eine Liste der ihnen persönlich empfohlenen Lebensmittel und können sich, sofern in der jeweiligen Örtlichkeit vorhanden, am Buffet entsprechende Gerichte zusammenstellen. Während der Kur sollte auf Alkohol, Nikotin, Kaffee, Tee, Fleisch und Fisch verzichtet werden. Empfehlenswerte Getränke sind Kräutertees, Wasser, Obst- und Gemüsesäfte. Kommt es während der ersten Tage der Kur zu einer Verstärkung der Beschwerden, muss sofort der Arzt/die Ärztin konsultiert werden. In den meisten Zentren ist diese/r 24 Stunden erreichbar. Möglich ist auch, dass man ob all dem Öl und des intensiven Geruchs nach Gewürzen einen Durchhänger bekommt. Die einen heulen einfach los, die anderen bekommen Kopfschmerzen und bei Dritten treten plötzlich alte Konflikte zutage. Das gehört zum normalen Kurverlauf. Die intensiven Behandlungen wirken mehr oder weniger stark auf die Psyche. Wer eine Ayurvedakur macht, sollte sich bewusst sein, dass er auch immer eine Auseinandersetzung mit sich selber führt. Traditionelle Kur auf dem Land Verfechter und Verfechterinnen des ernsthaften Ayurveda raten von einer Kur am Meer ab, da zu viel Strand und Sonne die Kurergebnisse beeinträchtigen können. Traditionelle Zentren und Krankenhäuser sind oft im Landesinnern zu finden. Ferner gilt: je kleiner das Haus, desto intensiver die Betreuung. Die Zahl der Behandlungsräume und Therapeutinnen und Therapeuten sollte überdies in einem angemessenen Verhältnis zur Zimmerzahl stehen. Trendige Kleidung kann man, entscheidet man sich für einen Kuraufenthalt, zu Hause lassen. Das Kräuteröl verfärbt alles. Ideal sind bequeme Sachen aus atmungsaktiven Stoffen. Übrigens: Kurze Röcke und Tops mit Spaghettiträgern wirken im konservativen Indien eher anstössig. Hautcremes und Make-up sind bei einer Ayurvedakur ebenfalls überflüssig – wegen der täglichen Ölanwendungen benötigt die Haut kein zusätzliches Fett. Regenzeit ist Kurzeit Wenn möglich empfiehlt es sich, wenigstens ein paar Tage vor der Kur anzureisen. Dies auch deshalb, um einen Einblick in die Kultur zu bekommen. Indien ist ein faszinierendes und wunderschönes Land mit alten Traditionen und modernen Entwicklungen. Wer eine Rundreise machen will, sollte diese vorzugsweise vor der Kur angehen. Die klassische Kurzeit ist während der Regenzeit von Juni bis August/September. Durch die häufigen Niederschläge gönnt man sich die nötige Ruhe, die Kräutergüsse und -öle können ob der hohen Luftfeuchtigkeit gut einziehen und ihre volle Wirkung entfalten. Nach der Kur muss man dem Körper Zeit geben, die Anwendungen zu verarbeiten. Vor allem in den beiden ersten Wochen nach der Rückkehr nach Hause sollte man sich möglichst viel Ruhe gönnen und versuchen, wenigstens einen Teil der bewussteren Lebensführung im Alltag fortzusetzen. Oftmals tritt der volle Kureffekt erst ein paar Wochen später ein. Angela Bernetta

Die Wissenschaft vom Leben Der Begriff «Ayurveda» hat seine Wurzeln im Sanskrit. Er setzt sich zusammen aus ayu (Leben) und veda (Wissen) – die Wissenschaft vom Leben. Bereits vor 2000 Jahren taucht die Ayurveda Medizin erstmals in den Vedas, den heiligen Schriften des Hinduismus, auf. Vermutlich wurde sie schon jahrhundertelang praktiziert, bevor man etwas darüber aufgeschrieben hat. Ayurveda basiert auf der Vorstellung einer inneren Ordnung der Welt. Wird sie verletzt, ist das natürliche Gleichgewicht gestört und Krankheiten treten auf. Der ayurvedischen Philosophie zufolge besitzen alle Menschen drei «doshas» (Gemütsverfassungen), die den Elementen zugeordnet werden: «vata» (Wind beziehungsweise Luft); «pitta» (Feuer) und «kapha» (Wasser/Erde). Zusammen werden sie als «tridoshas» bezeichnet. Krankheiten resultieren aus einer gestörten Balance der drei Elemente. Auch wenn jedem Menschen alle drei «doshas» eigen sind, so dominiert doch eines davon und bestimmt das Temperament des Charakters. Grosser Mangel oder Überfluss an einem «dosha» verursacht gesundheitliche Probleme – so kann ein Überfluss an «vata» zu Schwindel und Erschöpfung führen; zu viel «pitta» verursacht Fieber, Entzündungen und Infektionen. «Kapha» ist verantwortlich für den Flüssigkeitshaushalt – ein Mangel führt zu Gliederschmerzen und grippeartigen Erkrankungen. (net) Zwei gängige Methoden Ayurveda Behandlungen sollen das Gleichgewicht wiederherstellen – also gesund machen. Es werden hauptsächlich zwei Methoden angewandt: «panchakarama» (innere Reinigung) und Massagen. Die Kräuter, die dafür benutzt werden, wachsen üppig im feuchten Klima Keralas, einem Bundesstaat im Südwesten Indiens. Und da jedes «dosha» einer bestimmten Speise zugeordnet ist, spielen Diät und richtige Ernährung bei Ayurveda eine zentrale Rolle. In Kerala wird massiert, was besonders Patientinnen und Patienten mit chronischen Leiden wie beispielsweise Arthritis oder Rheuma guttut. Für jede Erkrankung wird ein speziell darauf abgestimmtes Massageöl verwendet. Für nachhaltige Ergebnisse ist indes mehr als eine Behandlung nötig. Es braucht eine mindestens 15 Tage dauernde Kur mit Ayurveda Diät, Kräutermedizin, Übungen, Massagen und einer Reihe von weiteren Behandlungen. (net) Schweizer Hausapotheke 1-2021 55

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