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Nr. 1 / 2021

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WÜRDE IM ALTER Ein

WÜRDE IM ALTER Ein lieber Bekannter, der lange Zeit ein Betagtenzentrum geleitet hatte, sagte einmal zu mir, dass die Einsamkeit der schlimmste Feind im Alter sei. Wie wahr diese Aussage ist, erfuhr ich im Zusammenhang mit meiner Mutter. Wenn im Umfeld vertraute Menschen sterben, besteht die Gefahr einsam zu werden, extrem. Meine Mutter war zeitlebens ein unternehmungslustiger und extrovertierter Mensch. Ihre Tage waren stets ausgefüllt und Langeweile kannte sie nicht. Dass es im Alter einmal anders werden sollte, konnte ich mir nicht vorstellen. Auch sie musste Abschied nehmen von lieben Menschen und langjährigen Wegbegleitern. Als dann ihre Schulfreundin starb, entwickelte sich bei ihr zunehmend eine tiefe Einsamkeit. Ich wohnte hundert Kilometer vom Wohnort meiner Mutter weg. Wir sahen uns regelmässig; aber zu wenig, um das Gefühl des Alleinseins auffangen zu können. Sie klagte nie, aber als Tochter spürte ich dieses tiefe Gefühl, dass sie als neuen Begleiter in sich trug. Umzug in die Fremde Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Die Idee, diesem Feind namens Einsamkeit aktiv zu begegnen, wuchs in mir. Ich schlug ihr vor, die Zelte in ihrer vertrauten Umgebung abzubrechen und in unsere Nähe zu ziehen. Es war ein Vorschlag, der meine Mutter fortan sehr beschäftigte. Ich liess ihr die nötige Zeit und drängelte nicht. Wochen später entschied sie sich für einen Umzug. Ich begann aktiv ein neues Zuhause für sie zu suchen. Schon bald wurde ich fündig: 1,5 Zimmer «Betreutes Wohnen» in einem Alterszentrum ganz nahe von uns. Ein absoluter Glückstreffer! So unser Fazit im Sommer 2015. Schon bald merkte ich allerdings, dass Papier geduldig ist. Vieles, was in der wunderbaren Broschüre dieser Institution stand, sah im Alltag ganz anders aus. Sie als Neuankömmling war meist sich selber überlassen; niemand hatte oder nahm sich die nötige Zeit, die so wichtig gewesen wäre. Meine Mutter wohnte schön: Küche mit Essplatz und ein grosses Zimmer mit Balkon, alles seniorengerecht und vom Feinsten. Doch auch die eleganteste Wohnung nützt gar nichts, wenn die Atmosphäre nicht so ist, dass sich ein betagter Mensch gut aufgehoben und respektiert fühlt. Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt weder dement noch krank. Das Mittagessen nahm sie in einem Speisesaal zusammen mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern ein. Morgens und abends kam jeweils eine Mitarbeiterin der internen Spitex, um ihr die Stützstrümpfe an- und auszuziehen. Immer auf dem Sprung waren sie, diese lieben Frauen. Sie dürfe sich nicht lange aufhalten, hiess es. Bezahlen musste meine Mutter für diese Dienstleistung eine halbe Stunde pro Tag; Fakt war, dass sie jeweils nur zirka fünf Minuten bei ihr waren. Immer wieder fragte mich meine Mutter, ob sie genügend Geld für ihr neues Zuhause habe, weil sie öfter mit der Aussage konfrontiert wurde, dass alle Dienstleistungen zusätzlich kosten würden. Das beunruhigte sie sehr. Es löste Ängste aus, die unnötig und für sie bedrückend waren. Umzug in ein Pflegezimmer Anfang 2017 beschlossen wir einen Umzug in ein Pflegezimmer in der gleichen Institution. Der einzige Grund für mich war, dass sie in dieser Abteilung näher bei Menschen sein konnte. Sie war kein Pflegefall im eigentlichen Sinn. Ein kleines, helles Zimmer im obersten Stock mit einem sonnigen Balkon war nun das neue Zuhause. Auch jetzt wurde viel versprochen: «Wir schauen, dass Ihre Mutter in der Gemeinschaft wieder lachen 6 Schweizer Hausapotheke 1-2021

und an sogenannten Aktivierungsangeboten teilnehmen kann.» Der Neustart glückte überhaupt nicht: Ende Januar wurde meine Mutter durch einen im Hause wütenden Käfer angesteckt, der ihr einen massiven Husten bescherte. Wieder erholt, schöpfte sie neue Kraft, um endlich in alle «Annehmlichkeiten» eintauchen zu können. Aber das Unheil nahm leider seinen Lauf … Samstag, 4. März 2017 An diesem Samstag betrat ich am frühen Nachmittag das Zimmer meiner Mutter. Eine Mitarbeiterin sass mit dem Rücken zu mir am Bett. Sie mass offensichtlich den Blutdruck und andere Werte. Auf die Frage, was los sei, antwortete meine Mutter, sie hätten beim Frühstück versehentlich die Medikamente vertauscht. Statt ihren Blutverdünner habe sie die Medikamente einer anderen Bewohnerin geschluckt – offensichtlich ein grober Fehler eines Mitarbeiters. Meine Mutter war komplett verändert: Sie redete mit schwerer Zunge und starrte immer auf einen Punkt. Die Pflegefachfrau drehte sich immer noch nicht zu mir um, um mir vielleicht die Situation zu erklären. Auf meine erneute Frage, was los sei, sagte sie, sie habe alles im Griff. Der Arzt sei informiert. Es sei harmlos, sie müsse einfach den Blutdruck überwachen. Ich wollte aber mehr wissen und bemängelte auch, dass man mich nicht kontaktiert hatte. Ihre Antwort war, sie sage gar nichts, ich müsse mit der Leiterin sprechen. Die Leiterin kam irgendwann. Sie konnte mir offensichtlich nicht in die Augen schauen. Auch sie verharmloste den Zustand meiner Mutter. Wie so viele alte Menschen trank meine Mutter leider zu wenig. Ich überlegte mir, was die Medikamente – zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was in ihrem Körper für Gifte wirkten – bei ihr auslösen würden. Sie wirkte einfach sehr stark verändert. «Ich bin nicht mehr Martha» Sie fing an, komische Sachen zu erzählen und sagte immer wieder, sie sei nicht mehr die Martha, die sie vorher war. Sie wisse nicht, was mit ihr passiere. Sie sprach von Gefühllosigkeit in den Beinen. Sie zitterte, klagte über extreme Kopfschmerzen, Schwindel und ihr Herz raste. Ich sorgte mich extrem. Es hiess, dass der Arzt dann erst am Montag käme, es sei ja schliesslich Wochenende. Die Krankengeschichte meiner Mutter, die von ihrem ehemaligen Hausarzt seriös zusammengestellt worden war, gab Aufschluss über ihre Unverträglichkeiten. Diverse Wirkstoffe waren bei ihr sogar lebensbedrohend. Offensichtlich war, dass der Heimarzt dieses Dossier nie studiert hatte, sonst hätte er nicht nur telefonisch Anweisungen gegeben und alles verharmlost. Ich bin keine Ärztin, aber die Einnahme falscher Medikamente kann nicht einfach bagatellisiert werden. Vermutlich wäre zu diesem Zeitpunkt eine Überführung ins Spital und das Auspumpen des Magens angesagt gewesen?! Jeden Tag besuchte ich meine Mutter und musste zusehen, wie sich ihr Zustand kontinuierlich verschlechterte. Jeden Tag kamen weitere Nebenwirkungen dieser Medikamente dazu. Sie konnte nicht mehr gehen, nicht mehr richtig sprechen und starke Halluzinationen begleiteten sie. Alle schauten zu Auf die Frage, welche Medikamente sie fälschlicherweise verabreicht bekommen hatte, hiess es Psychopharmaka; anscheinend mehrere Tabletten davon. Erst nach sechs Wochen, meine Mutter war bereits verstorben, erhielt ich die Liste – und konnte Original Dr. Andres Wallwurzsalbe Bei Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen. Dies ist ein zugelassenes Arzneimittel. Bitte lesen Sie die Packungsbeilage. Dr. Andres Pharma AG Schweizer Hausapotheke 1-2021 7

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