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Nr. 5 / 2021

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GEMMOTHERAPIE Hypericum

GEMMOTHERAPIE Hypericum perforatum Johanniskraut Um den längsten Tag herum beginnt das Echte Johanniskraut zu blühen. Seine Heilkräfte sind legendär, seine Vielseitigkeit erstaunlich. Die Sonne erreicht am 21. Juni ihren Höchststand; in nordischen Ländern wird ausgelassen Midsommer gefeiert. Zahlreiche Heilpflanzen enthalten jetzt besonders hohe Wirkstoffgehalte und werden in diesen Tagen gesammelt. Dazu gehört auch das Johanniskraut, das seinen Namen vom Johannistag, dem 24. Juni, trägt und jetzt seine strahlenden, sonnengelben Blüten öffnet. Zerreibt man diese, tritt roter Saft aus, der früher als Blut des Johannes gedeutet wurde. Den Germanen war die Pflanze heilig, sie galt als Sinnbild der Sonne und war dem Lichtgott Baldur geweiht. Einer Pflanze mit «blutenden» Sonnenblüten mussten ja spezielle Kräfte innewohnen. Die Legende erzählt denn auch, dass die winzigen «Löchlein» in den Blättern und Blüten vom Teufel herrührten, der die Pflanze in grenzenloser Wut über ihre Heilkräfte mit einer Nadel tausendfach zerstochen habe. Die «Löchlein» sind in Wirklichkeit Öldrüsen, die den Wirkstoff Hypericin enthalten. Mit seiner rot-violetten Farbe erinnert er an Aurum potabile, das alchemistische Trinkgold, das in früheren Zeiten als Allheilmittel galt. Paracelsus schrieb dem Johanniskraut ebensolche Fähigkeiten zu und bezeichnete es als Universalmedizin für den ganzen Menschen. Er setzte es aber auch bereits gezielt bei Melancholie und Hysterie ein. Die geheimnisvolle Pflanze wurde natürlich auch für allerlei Abwehrzauber eingesetzt: Im Stall sollte es das Vieh vor Verzauberung schützen, in der Stube am Fenster böse Geister abwehren. Auch Gewitter sollte es auflösen können und das Haus vor Blitzschlag schützen. Das Echte Johanniskraut unterscheidet sich von verwandten Arten durch seinen zweikantigen, mit Mark gefüllten Stängel und den «Löchlein» in Blättern und Blüten. Die Blätter sind gegenständig und bilden von oben gesehen, ein Kreuz, was als weiteres Zeichen einer besonders gesegneten Pflanze gewertet wurde. Sie wächst in ganz Europa an Waldrändern, 22 Schweizer Hausapotheke 5-2021 in Gebüschen, auf Magerwiesen und als Pionierpflanze auf Brachen und in Bahnschotter. An letzteren, etwas zweifelhaften Standorten sollte man sie nicht zu Heilzwecken sammeln, denn sie wurzelt einen halben Meter tief und nimmt dabei auch Schadstoffe auf, die sich im Boden befinden. Man kann jedoch die Blüten pflücken und zum Färben von Wolle und Seide verwenden. Die rote Färbebrühe erzeugt auf Alaunbeize ein leuchtendes Maigrün. Unsere Grosseltern waren mit den Heilwirkungen des Johanniskrautes noch vertraut. Kaum ein Haushalt, der damals nicht frisch gepflückte Blüten in Öl einlegte. Das so entstandene Rotöl ist entzündungshemmend, schmerzlindernd und wundheilend. Es wurde vor allem bei Verbrennungen, Sonnenbrand, Muskelschmerzen, Verstauchungen, Rheuma, Ischias und Hexenschuss eingerieben. Innerlich hat es sich zudem bei Entzündungen der Magenschleimhaut bewährt. Namen und Inhaltsstoffe Die volkstümlichen Namen der Pflanze sind zahlreich: Tüpfel-Johanniskraut, Blutkraut, Hartheu, Herrgottskraut, Teufelsfluch, Hexenkraut, Löcherkraut. An Inhaltsstoffen findet man die Hauptwirkstoffe Hypericin und Hyperforin, Gerbstoffe, Flavonoide, Phytosterin, Anthocyanidine, Phloroglucinole, Aminosäuren, ätherische Öle. Wie dies bei vielen Heilpflanzen der Fall ist, zeigt der Gesamtextrakt eine bessere Wirksamkeit als die isolierten Einzelsubstanzen. Johanniskraut kann bei starker Überdosierung zu Fotosensibilisierung führen. Beobachtet wurde dies an hellhäutigen Weidetieren, die auf von Johanniskraut überwucherten Wiesen grasen mussten. Solch hohe Dosierungen erreicht kein Patient mit Johanniskrautpräparaten. Dennoch sollte man im Zweifelsfall auf Sonnenbäder verzichten. Johanniskraut schwächt zudem die Wirkung verschiedener Arzneimittel; dazu gehören Antikoagulantien, Immunsuppressiva, HIV-hemmende Medikamente und die Antibabypille. Da lohnt sich ein Nachfragen in der Apotheke, damit man nicht unliebsame Überraschungen erlebt. In der Gemmotherapie wird ein Mazerat aus den jungen Trieben des Johanniskrauts eingesetzt. Es aktiviert den Stoffwechsel, verbessert die Zellatmung und die Signalübertragung entlang der Nerven. Johanniskraut ist ein exzellentes Heilmittel für verletzte Nerven, was ihm zur Bezeichnung «Arnika der Nerven» verholfen hat. Das Mazerat hilft bei Erschlaffung der Harnorgane und bei nervösen Magen- und Darmbeschwerden. Es lindert Wundschmerzen und kann bei Verletzungen des Zentralnervensystems wie Gehirn- und Rückenmarkserschütterungen eingesetzt werden, aber auch bei Migräne, Wetterfühligkeit, bei Taubheit und Kribbeln in Händen und Füssen und bei Neuralgien. Johanniskraut hat eine enge Verbindung zum Sonnengeflecht; es hilft bei Reizüberflutung und bringt die Gefühle wieder ins Lot. Vor allem aber ist die Sonnenpflanze Lichtbringerin in die Dunkelheit des Gemüts, ein verlässliches Mittel bei Angstzuständen, nervöser Unruhe, psychovegetativen Störungen und depressiven Verstimmungen. Ursula Glauser-Spahni ist Biologin. Seit mehr als 30 Jahren sammelt sie Schweizer Bachblüten für die Firma Phytomed AG. Sie verfasste 2008 das Buch «Kaninchenapotheke».

Verstopfung auf Reisen Reisen in andere, teilweise exotische Länder können zusammen mit einer ungewohnten Ernährung zu einer akuten Verstopfung führen. Auch die sogenannte «Klo-Angst» löst oft eine akute Verstopfung aus, das heisst, der Darm streikt für eine kurze Zeit. Frau Jenny Wyss beantwortet die wichtigsten Fragen zur Verstopfung und zu Abführmitteln. Frau Wyss, wie kommt es zu einer Verstopfung auf Reisen? Reisen können einerseits Stress auslösen und andererseits enthält die Nahrung zu wenig Ballast stoffe und die Reisenden nehmen oft zu wenig Flüssigkeit auf. Was passiert bei einer Verstopfung im Darm? Die unverdaulichen Bestandteile unserer Nahrung werden vom Dünndarm in den Dickdarm befördert. Der Dickdarm kann durch die erwähnten Faktoren wie Stress, ungewohnte Ernährung, zu wenig Flüssigkeit kurzfristig streiken. Die Verdauung ist jedoch bei allen Menschen unterschiedlich, als normal gilt alles zwischen dreimal im Tag und dreimal pro Woche. Gibt es für Reisen auch pflanzliche Abführmittel? Bei Verstopfungen auf Reisen werden oft die Früchte und Blätter der Sennapflanze eingesetzt. Sie wirken schonend und zuverlässig. Die Sennapflanze führt zu einer stärkeren Bewegung der Darmwand und sorgt für die Aufnahme von Flüssigkeit in den Darm. Der Stuhl wird weicher und der Toilettengang erleichtert. Können wir die Verdauung auf Reisen zusätzlich fördern? Viel Bewegung, genügend Flüssigkeit und eine gesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen unterstützen eine gute Verdauung. Falls Sie Sennaprodukte einsetzen wollen, fragen Sie in jedem Fall eine Fachperson oder lesen Sie die Packungsbeilage. Jenny Wyss ist Drogistin und arbeitet als Stv. Filialleiterin im Egli Biofachgeschäft an der Löwenstrasse in Zürich. IM WACHSTUM LIEGT DIE KRAFT NATÜRLICH GESUND GEMMOTHERAPIE von PHYTOMED in der Schweiz gesammelte Knospen aus Wildsammlung oder biologischem Anbau von Hand einzeln gepflückt oder abgestreift über 30 Jahre Erfahrung im Umgang mit Heilpflanzen Dies sind zugelassene Arzneimittel. Lesen Sie die Angaben auf der Packung. Zulassungsinhaberin und Herstellerin: PHYTOMED AG • CH-3415 Hasle / Burgdorf Telefon +41 (0)34 460 22 11 www.phytomed.ch Schweizer Hausapotheke 5-2021 23

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