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Nr. 5 / 2022

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«Wer hat an der Uhr

«Wer hat an der Uhr gedreht?», ist ein Spruch des rosaroten Panthers Paul. Er trifft den Nagel auf den Kopf: Über vier Jahrhunderte ist es nun her, dass die damalige «Deutsche Apotheke» in Bern ihre Pforten öffnete und den Bürger*innen als Anlaufstelle für Gesundheitsfragen diente. Zusammen mit Dr. Stefan Fritz drehe ich an der Uhr und begebe mich auf eine Zeitreise, die ihresgleichen sucht. Herr Fritz, die Rathaus Apotheke ist seit 1571 Anlaufstelle für Gesundheitsfragen. Wie meinen Sie das? Im Jahre 1571, in dem Baumeister Daniel Heinz den Weiterbau des Berner Münsters in Angriff nahm, wütete die Pest in ganz Europa, auch in Bern. Vier Jahre zuvor, nach dem Tod des damaligen Immobilienbesitzers, dem Rats herrn Hans Frisching, verkaufte seine Witwe das Gebäude an die Stadt. Warum es vier Jahre dauerte, bis diese hier die «Deutsche Apotheke» eröffnete, kann ich Ihnen nicht sagen. Heutzutage fungieren wir als Rathaus Apotheke vorwiegend als Dienstleistungsunternehmen und somit als erste Anlaufstelle, wenn es um gesundheitliche Erstabklärungen geht. Die Apotheke wurde unter dem Namen «Deutsche Apotheke» eröffnet. Warum dies? Jean Monier war der erste Rathaus Apotheker und stellte mit seinen Rezepturen eigene Arzneimittel her. Drei Jahre später, im Jahr 1574, ereilte ihn der Tod unerwartet. Ob dieser auf eine Quecksilbervergiftung zurückzuführen ist, ist nicht erwiesen. Was die Namensgebung angeht, kann ich nichts Genaueres sagen. Allerdings bestand nicht unweit der deutschen Apotheke eine welsche Apotheke. Dank der zentralen Lage musste die Konkurrenz aber kaum gefürchtet werden. Trotzdem war wohl der Wunsch nach Abgrenzung Grund für die damalige Bezeichnung. Neben der Apotheke hat auch das Gebäude eine Zeitreise hinter sich. Was ist das Spezielle daran? Samuel Wyttenbach (1650–1724) aus der Wyttenbach-Dynastie gab den Bau eines Eckhauses im Barockstil in Auftrag. 1824 kam unter Carl Friedrich Morell eine neue Einrichtung hinzu, die heute noch in Gebrauch ist. Erwähnenswert ist der Rundbogen mit venezianischem Fenster an der Frontseite. Auch die Holzvertäfelung der Fenster geht in diese Zeit der Neugotik zurück und ist ein weiteres Zeugnis unserer geschichtsträchtigen Entwicklung. Im Keller des Gebäudes befindet sich ein hauseigenes Museum. Welche Exponate befinden sich darin? Das Museum ist chronologisch geordnet. Darin befinden sich Gegenstände, die teils aus eigenem Bestand Einzug ins Museum fanden. Teilweise stammen sie aus Auflösungen verschiedener Apotheken oder es sind Zukäufe, die ich von Zeit zu Zeit tätige. Wer hierherkommt, kann sich auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte begeben und die Entwicklung von Behältnissen wie Flaschen, Töpfen oder Mörsern, aber auch von technischen Geräten wie Apothekerwaagen bewundern. Zudem gibt es Informationen über das Gebäude, die Pharmazie im Allgemeinen und zur Entwicklung des Apothekerberufs. Wie hat sich der Beruf des Apothekers über die Jahrhunderte verändert? Der Beruf des Apothekers galt ursprünglich als klassischer Lehrberuf. Früher waren wir noch Hersteller verschiedener Arzneimittel. Wenn Sie während unserer Anfänge um 1571 Apotheker werden wollten, mussten Sie Lateinkenntnisse vorweisen und nach abgeschlossener Lehrzeit und Jahren der Wanderschaft verschiedene Prüfungen ablegen. Erst danach wären Sie berechtigt gewesen, Ihre eigene Apotheke zu eröffnen. Die Lehrzeit betrug zu der Zeit drei bis fünf Jahre. Im 15. Jahrhundert war der Beruf des Apothekers in der Gesellschaft nicht hoch angesehen. Das änderte sich im 16. Jahrhundert durch die Entwicklung der Naturwissenschaften und dem Besuch der Hochschulen ab dem 19. Jahrhundert. Die ersten Apotheken-Verordnungen entstanden, durch die es den Apothekern untersagt wurde, Diagnosen zu stellen. Im Umkehrschluss durften Ärzte keine Medikamente abgeben. Die Vorschriften zur Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln waren im Arzneibuch geregelt. Ebenso wenig durfte der Apotheker eine Droge durch eine andere ersetzen. Heute umfasst der Beruf Apotheker*in ein Hochschulstudium von fünf Jahren und entwickelt sich immer mehr vom Arzneihersteller und Logistiker zum Gesundheits-Dienstleister. Diesen Wandel haben wir nach meiner 6 Schweizer Hausapotheke 5-2022

Auffassung der industriellen Herstellung von Arzneimitteln zu verdanken. Eine wichtige Aufgabe, welche uns in der heutigen Zeit als Apotheker*innen zunehmend übertragen wird, ist die der medizinischen Grundversorgung, das heisst: Erkennung und Behandlung häufiger Gesundheitsstörungen. Die Rathaus Apotheke beging im letzten Jahr ihr 450-jähriges Bestehen. Berichten Sie uns von den Feierlichkeiten. Neben einer Führung durch das Museum gab es einen Festakt, der unter strengsten Corona- Massnahmen durchgeführt wurde. Zudem produzierten wir einen filmischen Rückblick zur Geschichte und gaben anlässlich des Jubiläums eine Festschrift heraus. Für unsere Kunden und Geschäftspartner gab es einen Tag der offenen Tür. Unsere Schaufensterauslagen haben wir dem Anlass entsprechend dekoriert. Beschreiben Sie uns Ihre Gefühlswelt, in die Sie eintauchen, wenn Sie Ihr berufliches Wohnzimmer betreten? Das Feuer in mir lodert jeden Tag aufs Neue. Es ist ein spannender, abwechslungsreicher Beruf; der gesunde Mix aus Naturwissenschaften, Medizin und Unternehmertum, der mich seit 1994 antreibt. Zudem bin ich davon überzeugt, dass wir nicht trotz, sondern dank allen Innovationen den Spagat zwischen Historie und modernem Berufsbild hinbekommen haben und darauf stolz sein können. Was löst es in Ihnen aus, zu wissen, dass Ihre Apotheke die älteste noch bestehende Apotheke der Schweiz ist? Es erfüllt mich mit einer gewissen Ehrfurcht und überträgt mir Verantwortung. Ich verspüre eine Fürsorgepflicht gegenüber meinen Mitarbeitenden und natürlich auch gegenüber der Apotheke. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die geschichtsträchtige Apotheke nicht verkommen zu lassen und demzufolge in eine überlebensfähige Zukunft zu führen. Daneben geht es auch darum, möglichst viel des historischen Bestands zu erhalten. Zudem befinde ich mich auf den «letzten Metern zur Pension». Es wäre schön, wenn ich das Zepter an eine*n Nachfolger*in übergeben könnte, der/die die älteste noch bestehende Apotheke der Schweiz als solche am Leben erhält. Original Dr. Andres Wallwurzsalbe Bei Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen. Dies ist ein zugelassenes Arzneimittel. Bitte lesen Sie die Packungsbeilage. Dr. Andres Pharma AG Schweizer Hausapotheke 5-2022 7

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