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Nr. 7 Oktober/November 2017

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Beschwingt durch den Herbst

Alltagsstress als

Alltagsstress als Beziehungskiller Rund die Hälfte aller Ehen geht heute auseinander. Bei den nicht verheirateten Paaren dürfte die Rate noch höher sein. Endstation Scheidung – im statistischen Durchschnitt dauert es 14 Ehejahre, bis es soweit ist. Zu Beginn sind Partnerschaften meistens glücklich. Man schwelgt im Rausch der Hormone und geniesst die Intimität und Nähe mit der neuen Partnerin/dem neuen Partner. Man neigt dazu, ihn zu überhöhen, findet alles an ihm positiv und bewundernswert, ist fasziniert von gewissen Verhaltensweisen oder der gesamten Person. Man glaubt, das grosse Los gezogen zu haben. Doch leider verliert sich diese Faszination relativ schnell. Schuld daran ist häufig der sogenannte Alltagsstress. In einer grossen Studie (ElitePartner-Studie) wurden 10 000 in Partnerschaft lebende Personen befragt, worin sie die grösste Herausforderung für ihre Beziehung sehen. Das Ergebnis: Die grössten Killer für die Liebe sind an erster Stelle wenig gemeinsame Zeit, an zweiter Stelle folgt Stress im Beruf. An dritter Stelle werden schwierige finanzielle Situationen genannt und an vierter Stelle das Sexualleben lebendig halten. Was ist Stress? Kurz erklärt ist Stress das Ergebnis einer subjektiven Interpretation einer bestimmten Situation. Damit gemeint ist, dass dieselbe Situation bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Reaktionen oder eben Stress auslösen kann. Wenn also Partnerschaften unglücklich verlaufen, heisst das nicht unbedingt, dass die Partner nicht zusammenpassen. Einen grossen Einfluss auf den Verlauf der Partnerschaft haben sogenannte externe Stressfaktoren. Es sind die kleinen Alltagswidrigkeiten, die sich summieren und viele Paare schleichend in die Krise treiben. Kritische Lebensereignisse wie beispielsweise Arbeitslosigkeit, Jobsuche oder eine schwere Krankheit lassen ein Paar stärker zusammenrücken, das nahe Umfeld zeigt Verständnis und bietet vielfach auch Unterstützung an. Beim Alltagsstress ist es anders. Hier ist man mit seinem Erleben allein. Die Umwelt kann nicht nachvollziehen, warum man wegen einer Bagatelle (was sie in vielen Fällen nicht ist, wenn sie einen persönlichen wunden Punkt des Partners trifft) so gestresst reagiert. Alltägliche Widrigkeiten belasten Partnerschaften deshalb stärker und nachhaltiger und sind für die Partnerschaft besonders gefährlich, weil gerade beim anderen Partner häufig das Verständnis fehlt. Zentral für das Paar ist, dass beide Partner begreifen, dass Stress ein extrem subjektives Geschehen ist. Damit ist gemeint, dass eine alltägliche Situation für jemanden grossen Stress auslösen kann, während sie jemand anderen völlig unberührt lässt. Und selbst wenn eine Situation bei beiden Partnern Stress auslöst, können das subjektive Erleben, die aktivierten Gefühle und Interpretationen wieder völlig unterschiedlich sein! Es ist eine Binsenwahrheit: Wer unter Stress steht, kann die Liebe nicht mehr oder nur noch oberflächlich pflegen. Unter Stress hat man keinen Sinn für deren Pflege. Man möchte seine Energie und Kräfte anders nutzen. Dabei realisiert man vielleicht gar nicht mehr, wie zerbrechlich die Liebe sein kann und wie viel Zeit und Fürsorge sie benötigt. So kann Stress selbstbezogen, rücksichtslos und intolerant machen. Darüber hinaus macht die Belastung gereizt und verschlossen und ist ein Lustkiller! Der Stress des einen wird auch immer zum 12 Schweizer Hausapotheke 7-2017

Stress des anderen und zerstört auf diese Weise die Liebe und die Partnerschaft. Heute ist jeder von Stress betroffen Das Leben in unserer westlich-zivilisierten Gesellschaft ist in einem hohen Masse von Hektik gekennzeichnet. Die zunehmende Mobilität, die Beschleunigung des Arbeitsrhythmus und die ansteigenden Mehrfachbelastungen bewirken eine stetige Beschleunigung des Lebensrhythmus. Davon ist jeder betroffen. Paare mit Kindern leiden besonders stark unter der negativen Wirkung von Stress auf ihre Beziehung, weil sie häufig wenig Zeit für den Partner haben. Tritt Stress gehäuft und chronisch auf, kann dies für die Partnerschaft zum Problem werden. Wenn der Partner immer wieder gereizt, aufbrausend, wortkarg, verschlossen oder abweisend nach Hause kommt und seinen Stress in die Partnerschaft trägt, kann dies beim Gegenüber zur Gegenaggression führen. Dieser Stress vergiftet das Paarklima und führt häufig zu Konflikten, Rückzug und Entfremdung. Da der gestresste Partner bereits weniger Ressourcen hat und seine Nerven blank liegen, kommt es immer häufiger zu Streitereien, die eskalieren können. Erzählt der gestresste Partner von seinem Erlebnis, stösst er häufig auf geringes oder kein Verständnis seitens des Partners, da dieser die Belastung nicht nachvollziehen kann. Der gestresste Partner fühlt sich dann meist nicht verstanden, ist enttäuscht von der mangelnden Anteilnahme des anderen, seinem Desinteresse. Dementsprechend beginnt er, weniger von sich und dem, was ihn belastet, zu erzählen und zieht sich zurück. Stressbewältigung Der erste Schritt besteht also darin, den Stress des Partners besser wahrzunehmen. Dazu ist es notwendig, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass man sich als Partner so gut kennt, dass jeder dem andern ansieht, wenn er gestresst ist. Wenn man den Stress nicht ausdrücklich verbal mitteilt, dann hat man praktisch keine Chancen auf Unterstützung des Partners! Man sollte seiner Partnerin deutlich und unmissverständlich sagen, was einem belastet, wie es einem zumute ist und wann und in welcher Form man von ihr Unterstützung erhofft. Vage und allgemeine Äusserungen tragen wenig zu einer hilfreichen Klärung bei. Aussprüche wie «der Chef ist ein Idiot!» oder «immer muss ich die unangenehmen Arbeiten machen!», zeugen von Stress, doch sie sind nicht unbedingt hilfreich. Die Partnerin hört, dass Stress vorhanden ist, doch was genau vorgefallen ist und was genau die Elemente sind, welche zum Ärger geführt haben, bleibt völlig unklar. Tipps • Lassen Sie den Partner oder die Partnerin an Ihrem Leben teilhaben – tauschen Sie sich darüber aus, was Ihnen wichtig ist. • Teilen Sie dem Partner oder der Partnerin auch Ihre tieferen Gefühle mit. Seien Sie interessiert am Innenleben Ihres Gegenübers. • Gehen Sie Konflikten nicht aus dem Weg; versuchen Sie, im Gespräch die Gefühle des andern zu verstehen. Dann wird vielleicht klar, weshalb jemand auf seinem Standpunkt besteht. Wenn Sie erklären, dass die Aussicht auf Ferien am Meer bei Ihnen ein traumatisches Erlebnis hochkommen lässt, versteht das Gegenüber besser, weshalb Sie lieber in die Berge fahren. • Verbringen Sie genügend Zeit miteinander, um zu reden und den Alltag gemeinsam zu bewältigen. Entspannen Sie sich regelmässig, allein und zu zweit. • Geben Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin sowohl sachliche als auch emotionale Unterstützung in Form von Verständnis, Solidarität und Wertschätzung. • Hören Sie aktiv zu. Das kann zum Beispiel eine kurze Zusammenfassung des Gehörten in Ihren eigenen Worten sein, damit klar wird, dass Sie Ihr Gegenüber richtig verstanden haben. Buchtipp Guy Bodenmann: Bevor der Stress uns scheidet. Huber Verlag Elisabeth Bürkler Freischaffende Journalistin BR Schwerpunkte: Familie, Kinder, Paarbeziehung Sun-Snack: Nüsse Die Natürliche Energie für Körper und Geist Schweizer Hausapotheke 7-2017 13

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