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Nr. 8 / 2018

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geben und konnten uns

geben und konnten uns auf unsere Helferinnen und Helfer stets verlassen. Und seither läuft es wie die Feuerwehr. Wir sind mittlerweile in acht Bundesländern mit zehn Förderregionen, die täglich 10 000 Kinder versorgen, tätig. Insgesamt sind in all den Jahren fast sieben Millionen Frühstücke aufgetischt worden. Die Helfenden sind alle gut drauf, rüstig und sehr motiviert. Sie kommen morgens um halb sieben und bauen das Frühstücksbuffet auf. Wir wollten, dass die Kinder selbst wählen dürfen, was sie essen möchten. Die «Omis» zeigen ihnen, wie zum Beispiel ein Stück Brot mit Butter bestrichen wird – viele Kinder haben das noch nie gemacht! Sie sind eine Art Familienersatz. Zwischen den Helferinnen und den Kindern wächst eine Beziehung, die allen Freude bereitet. Eine schöne Win-Win-Situation für alle. Haben die Helferinnen noch zusätzliche Rollen? Wir sind sehr glücklich, weil die Seniorinnen sehr viel Geduld und Empathie aufbringen. Sie haben eine riesige Lebenserfahrung und spüren auch, wenn ein Kind Sorgen hat und traurig ist. Die neuen Omis haben ein offenes Ohr und spenden gerne Trost. Die Kinder profitieren so auch auf der zwischenmenschlichen Ebene. Sie lernen zum Beispiel guten Morgen, danke oder guten Appetit sagen – auch das ist nicht selbstverständlich. Spürbar ist, dass viele Kinder keine Geborgenheit kennen. Sie möchten einfach einmal in den Arm genommen werden. Aus welchen Schichten kommen die Kinder? Es sind nicht, wie die meisten Menschen annehmen würden, ausschliesslich Migrationskinder. Es sind auch deutsche Kinder aus unterschiedlichen Schichten. Etwa fünfzehn Prozent der Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, versorgen wir bereits. Darunter sind auch viele Kinder, die zu dick sind, weil sie unkontrolliert Chips, Pizzas oder Süsses essen und auch zu wenig Sport treiben. Ihre Muskulatur ist durch zu wenig Bewegung sehr schwach und nicht altersentsprechend. Bei uns lernen die Kinder auch, gesund zu essen. Viele kennen die meisten Gemüse nicht. Haben noch nie einen Blumenkohl oder Radieschen gesehen. Müesli mit Beeren oder Quark sind ihnen fremd. Viele Kinder haben noch nie ein Stück Brot mit Butter bestrichen. Niemand schnippelt mit ihnen zu Hause einmal Gemüse oder Obst, da es ganz viele Haushalte gibt, die nur eine Mikrowelle und keinen Herd und Küchentisch haben. Da kann man sich vorstellen, wie Bei uns sind alle Grundschulkinder herzlich willkommen. die Ernährung aussieht. Bei uns essen solche Kinder mit der Zeit alles. Das ist für uns ein wunderbares Erfolgserlebnis. Wer darf zum Frühstück kommen? Ist es eine Auswahl? An den Brennpunktschulen darf jedes Grundschulkind kommen. Wir treffen keine Auswahl oder kontrollieren, welches Kind zu Hause ein Frühstück erhält oder nicht. Der Kakao ist heiss, das Buffet ist angerichtet und jedes Kind ist eingeladen – von Montag bis Freitag. Wir möchten nicht selektionieren. In München zum Beispiel haben wir eine Schule mit einem hohen Migrationsanteil. Da sitzen acht bis zehn Kinder bunt gemischt an einem Tisch, plaudern durcheinander, lachen und geniessen die Gemeinschaft. Wie sind Sie zu den helfenden «Omis» gekommen? Am Anfang, als wir noch sehr klein waren, haben wir sie selber gesucht. Das heisst, wir haben zum Beispiel bei Sportvereinen kleine Plakate aufgehängt, die Kirchen und das Rote Kreuz angefragt und Mund-zu- Mund-Propaganda gemacht. Zudem war ich vor Jahren einmal in einer Talkshow, wo ich unseren Verein vorstellen durfte. Der Vorstandsvorsitzende einer Personalvermittlungsunternehmung war von dieser Idee so berührt, dass er uns anbot, die Rekrutierung der Helferinnen an die Hand zu nehmen. Seither sucht eine Person dieser Firma in jeder Stadt für uns die lieben Helfenden. Sie wickeln die ersten Gespräche ab und spüren aus Erfahrung, wer passt und wer nicht. Das letzte Wort, ob jemand eingestellt wird, hat aber das Team der jeweiligen Schule. Schön ist, dass die Seniorinnen auch neue Kontakte zu anderen Seniorinnen knüpfen können und so Freundschaften ausserhalb der Schule entstehen. Das reduziert die Einsamkeit. Immer wenn ich eine Schule besuche, geht mir das Herz auf. Ich sehe die zufriedenen Gesichter der Helferinnen und glückliche Kinder. Auf beiden Seiten geschieht etwas Verbindendes. ■ Die Statistik zeigt: Am Montag und Freitag steigt der Lebensmittelverbrauch deutlich. Die Kinder essen viel mehr, weil sie am Wochenende nicht versorgt werden. 8 Schweizer Hausapotheke 8-2018

Was bewirkt das Frühstück? Haben Sie Rückmeldungen? Ja, die haben wir relativ schnell bekommen. Die Lehrer melden uns riesige Veränderungen. Sie stellen fest, dass viele Kinder konzentrationsfähiger, aktiver, lernfähiger und zufriedener sind. Das soziale Verhalten verbessert sich, auf den Pausenplätzen wird weniger dreingehauen und es herrscht eine andere Kommunikationskultur. Eigentlich gibt es wirklich nur Positives zu erzählen. Ich bin sehr dankbar, dass alles gut läuft und uns so viele Menschen und Firmen auf irgendeine Weise unterstützen. Gab es auch kritische Stimmen? Jemand sagte einmal zu mir, dass wir mit diesem Frühstück die Eltern noch fauler machten. Das kann ich so nicht stehen lassen. Wenn ein Grundschulkind vier Jahre ein gesundes Frühstück einnehmen kann, leistungsfähiger wird und das soziale Verhalten sich verbessert, dann steht das für mich im Vordergrund! Wenn wir in Zahlen sprechen, von wie vielen Lebensmitteln reden wir dann? Letztes Jahr waren es 450 Tonnen. Diese Lebensmittel werden von einer Unternehmung seit der Gründung des Vereins still und leise geliefert. Die ganze Logistik wird übernommen. Das ist nicht selbstverständlich, da wir ja enorm gewachsen sind. Wir sind sehr dankbar und wissen es sehr zu schätzen. (Anm. der Red.: Dieser Spender wird nicht namentlich erwähnt. Er steht auf der Website www.brotzeitfuerkinder.com) Haben Sie Träume oder Zukunftsvisionen? Ich freue mich, dass wir grösser und grösser werden. Als nächstes kommen Frankfurt am Main und Dresden dazu. Dort starten wir jeweils mit zwanzig Schulen. Später folgen Augsburg und Aschaffenburg. Im Stadt- Staat Hamburg haben wir bereits vierzig Schulen. Total sind es dort 45 Brennpunktschulen. Wenn wir die restlichen fünf Schulen auch noch beliefern, dann haben wir den ersten Stadt-Staat voll abgedeckt. Am liebsten hätte ich unser Frühstücksbuffet an jeder Brennpunkt-Grundschule flächendeckend in ganz Deutschland. Das wäre wirklich mein Wunsch. Wichtig wäre auch, dass es mehr Ganztagesschulen gäbe. So hätte jedes Kind die gleichen Chancen. Die Kinder würden vor und nach der Schule betreut, jedes wäre gesund, altersentsprechend ernährt und bekäme professionelle Unterstützung bei den Hausaufgaben. Sylvia Felber ist seit 1991 Redaktionsleiterin der Schweizer Hausapotheke, Heimweh-Baslerin und FCB-Fan. In Deutschland existieren ganz viele Haushalte mit Kindern, die nur eine Mikrowelle und keinen Herd und Küchentisch haben. Das kostet viel Geld. Wie werden neue Projekte finanziert? Wir sind ganz klar auf Spenden angewiesen. Bis jetzt hat es immer funktioniert, das heisst die Schulen, an denen wir täglich ein Frühstück ausgeben, sind finanziert. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Manchmal ist der Druck riesig, weil Regionen anfragen – wie zum Beispiel Essen – die ebenfalls schreckliche Notstände haben. Das löst bei mir zwischenzeitlich Ängste und Druck aus. Ich bin aber immer zuversichtlich; denn ich werde von lieben Menschen begleitet. Mein Mann und das ganze Team unterstützen mich. Ich verlasse das Hotel und bin beeindruckt. Ich habe bei Uschi Glas gespürt, dass es für sie eine riesige und völlig uneigennützige Herzensangelegenheit ist. Sie hat ein Herz für Kinder in einer echten und unmittelbaren Art und Weise. Ich ziehe vor ihr den Hut und wünsche ihr tief aus meinem Herzen, dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Fotos: zvg Der Verein feiert im Februar 2019 sein zehnjähriges Bestehen. Förderregionen sind: München, Mittelfranken, Berlin, Heilbronn, Leipzig, Dresden, Hamburg, Rhein/Ruhr, Salzgitter, Frankfurt. An über 200 Grundschulen werden täglich 10000 Kinder mit einem ausgewogenen und gesunden Frühstück versorgt. Die brotZeit-Kinder lernen Tischmanieren und was es heisst, sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren. Sie fühlen sich geborgen und aufgehoben, knüpfen soziale Kontakte und lernen untereinander einen besseren Umgang. brotZeit kann unterstützt werden. Erfahren Sie mehr unter: www.brotzeitfuerkinder.com Schweizer Hausapotheke 8-2018 9

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