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Nr. 8 / 2019

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GEMMOTHERAPIE Carpinus

GEMMOTHERAPIE Carpinus betulus Die Weissbuche Die Weissbuche kennen viele nur zurechtgestutzt als lebenden Sichtschutz und Garteneinfriedung. Doch Hainbuchen, wie sie auch heissen, wachsen im Einzelstand zu harmonischen kleinen Bäumen mit kugeliger Krone heran, die eine in sich ruhende Heiterkeit ausstrahlen. In den Wäldern bleiben sie im Schatten, da sie mit ihren 20 Metern Höhe nicht mit anderen Bäumen mithalten können. Doch das kümmert die Weissbuche nicht, sie ist genügsam und zäh. Sie kommt mit fast jedem Standort klar, trotzt Stürmen und steht Trockenphasen durch. Sie erträgt Verstümmelungen, egal ob von Menschen oder von hungrigen Rehen, und treibt unerschütterlich wieder aus. Ihre Blätter ähneln denen der Rotbuche, was wohl zum Namen beitrug. Sie sind aber fester und weisen einen gezähnten Rand auf. Die Weissbuche ist nicht mit der Rotbuche verwandt, sondern gehört zusammen mit Haselstrauch, Birke und Erle zur Familie der Birkengewächse. Ihre Früchte sind Nüsschen mit einem dreiteiligen Flügel, der sie mit dem Wind kilometerweit trägt; sie dienen Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung. Auch die Blätter sind begehrt, sie werden vom Wild gefressen, die Knospen sind beliebt beim Haselhuhn. Das Laub bleibt im Winter lange an den Zweigen. Fällt es schliesslich zu Boden, zersetzt es sich rasch und fördert das Bodenleben. Beharrlichkeit und schützende Begleitung In ländlichen Gebieten gehörte die Weissbuche zu den beliebten Futterlaubbäumen. Sie wurden regelmässig geschnitten («geschnaitelt» nannte man das), das Laub getrocknet und im Winter verfüttert. Das Laubheu der Hainbuche ist besonders reich an Eiweiss und Mineralstoffen wie Eisen, Zink, Mangan, Kobalt und Selen. Heute erkennt man den Wert organisch gebundener Mineralien wieder und kommt vermehrt auf Laubheu für Schafe und Ziegen zurück. Stamm und Äste der Weissbuche besitzen Längswülste, die an die sehnigen Arme eines Arbeiters erinnern. Das passt zum Baum, der so beharrlich ist und nie aufgibt. Sein Holz ist das härteste und schwerste einheimische Holz, man bezeichnete es auch als Eisenholz. Es wurde für stark beanspruchte Teile wie Zahnräder, Mühleräder, Speichen und Naben verwendet. Heute findet man es noch in Werkzeugstielen oder als wertvolles Brennholz. 38 Schweizer Hausapotheke 8-2019 In der Mythologie galt die Weissbuche als Symbol für Mut und Standhaftigkeit. Sie unterstützte als Schutzbaum den Menschen darin, ein angestrebtes Ziel zu erreichen. Sie war wie Hasel und Holunder ein Baum der Erdgöttin. Die Kelten nutzten Hainbuchenhecken, um ihre Dörfer vor Menschen und bösen Kräften zu schützen. Der Name «Hagebuche» weist auf die Verwendung als lebenden Zaun hin. Das Gewirr der Zweige wurde immer dichter, je mehr man diese schnitt, und bot nebenbei brütenden Vögeln Schutz. Im Barock holte man die bodenständige Pflanze in die Schlossgärten und zwang ihr streng geometrische Formen auf. Auch das ertrug die Hainbuche geduldig. Sie gibt sich zufrieden mit dem, was sie hat und macht das Beste daraus. Schützt die Atemwege Trotz ihrer Vorzüge in Hof und Garten blieb die Weissbuche medizinisch lange wenig genutzt. Hildegard von Bingen empfahl die sich entfaltenden Blättchen als Suppe gekocht für Frauen mit Kinderwunsch. Das Sitzen an einem Feuer aus Weissbuchenholz sollte Albträumen vorbeugen. Tabernaemontanus schrieb im 16. Jahrhundert, dass Früchte und Blätter gegen Milzstechen und Wassersucht helfen. Die Flügel der Früchte galten als harnreibend und blutreinigend bei Blasenerkrankungen. Die Blätter wirken zusammenziehend und blutstillend, sie wurden als Wundpflaster verwendet. Als Wirkstoffe finden sich Phenolsäuren, Flavonoidglykoside, Saponine, Tannine, Catechine und Procyanidin. In jungen Blättern der Weissbuche fand man kürzlich Pheophorbid. Diese Substanz macht im Laborversuch Tumorzellen lichtempfindlich und damit zerstörbar. Edward Bach erkannte in der Weissbuche einen seiner 38 Heiler. Die Blütenessenz hilft bei dauernder Müdigkeit und geistiger Erschöpfung, sie verleiht neue Energie, wenn man sich ausgebrannt fühlt. Die Essenz erfrischt, gibt Schwung und Vitalität. Sie hilft einem, auch im täglichen Trott des Alltags Freude und Motivation zu bewahren. In der Gemmotherapie ist die Weissbuche ein wichtiges Mittel für die Schleimhäute der oberen Atemwege. Weissbuche ist entzündungshemmend, antiallergisch, ausleitend. Sie besänftigt die gereizten Schleimhäute, beruhigt den Hustenreiz. Zudem hat sie eine blutstillende Wirkung, was auf die vermehrte Bildung von Blutplättchen zurückgeführt wird. Weissbuche hilft bei Schnupfen, Stirn- und Nasenhöhlenentzündungen, Kehlkopf- und Luftröhrenentzündungen, Husten und Neigung zu Nasenbluten; in Kombination mit Wolligem Schneeball bei Asthma bronchiale. Die Kombination von Hainbuche mit Schwarzer Johannisbeere und Rotbuche hat sich bei allergischem Schnupfen bewährt. Weitere Anwendungsgebiete sind Polyarthritis, Reizdarm (zusammen mit Feigenbaum), Stressanfälligkeit und Erschöpfung. Die Hainbuche verleiht Frische und heitere Lebendigkeit. Ursula Glauser-Spahni ist Biologin. Seit mehr als 30 Jahren sammelt sie Schweizer Bachblüten für die Firma Phytomed AG. Sie verfasste 2008 das Buch «Kaninchenapotheke».

Entspannung pur Menschen baden, um den Körper zu reinigen, sich zu erfrischen und zu entspannen. Unsere ganz frühen Vorfahren erfrischten ihren Körper in natürlich vorkommenden Gewässern. Sie tauchten ins kalte Flusswasser ein, schwammen im See oder sprangen ins schäumende Meer. Doch natürliches Badewasser ist überall in der Nähe der eigenen Wohnhöhle zu finden. Deshalb bauten sich die Menschen früher schon bald eigene Badehäuser. Die Römer legten zahlreiche Heilbäder an, die teilweise noch heute von Bedeutung sind. Baden-Baden und Wiesbaden gehören dazu oder das in der Schweiz liegende Baden. Diese Orte waren sosehr mit dem Wasser und Heilkuren verbunden, dass sie das Baden bis heute im Ortsnamen tragen. Für die moderne Bäderheilkunde gibt es sogar ein lateinisches Fachwort: Balneologie ist die Lehre der Entstehung, Gewinnung und Anwendung von Kurmitteln wie Heilwasser. Dazu gehören sowohl der Bau und die Installationen von Heilbädern als auch die chemische Zusammensetzung des Heilwassers und dessen medizinische Anwendungsmöglichkeiten. Heilwasser Die therapeutische Anwendung von Heilwasser hat eine lange Geschichte und ist von der Schulmedizin als Behandlungsmethode auch heute anerkannt. Allerdings muss das verwendete Wasser gewisse Kriterien erfüllen und als physikalische Therapie gelten. Verwendet wird Wasser mit vielen Mineralien und Spurenelementen. Ideal, wenn diese Mineralstoffe natürlicherweise in Thermalquellen vorkommen. Von Solebädern spricht man, wenn der Salzgehalt des Wassers eine bestimmte Konzentration aufweist. Das Wasser enthält neben gewöhnlichem Natriumchlorid, das man auch als Kochsalz verwendet, meist Kalzium, Kalium, Magnesium und eine ganze Menge Spurenelemente. Sie eignen sich ganz besonders für Menschen mit Rheuma und Hautproblemen. Natürlich vorkommendes Solewasser wirkt antibakteriell und hilft deshalb gegen jegliche Entzündungen der Haut. Das Wasser mildert den Juckreiz bei Neurodermitis oder Schuppenflechte. Zudem steigen salzhaltige Dämpfe auf und diese werden beim Baden inhaliert. Auf diese Weise werden Entzündungen in den Atemwegen vermindert und das Atmen zum Beispiel bei Asthma erleichtert. Das Regenwasser versickert im Boden. Ist dieser reich an Mineralstoffen wie zum Beispiel Jod, so lösen sich die Salze im Wasser. Bäderkurorte sind demnach in Landschaften mit mineralreichen Böden zu finden. Ist das Wasser zudem noch warm, spricht man von Thermalquellen. Neben den gewöhnlichen Solebädern haben solche mit hohen Schwefelanteilen eine besondere Wirkung. In zahlreichen Studien wurde die heilende Wirkung auf chronische Erkrankungen der oberen Atemwege, der Ohren Schweizer Hausapotheke 8-2019 39

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