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Nr. 8 / 2019

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Wenn die Menopause früh

Wenn die Menopause früh eintritt Mit der letzten Menstruation, in der Fachsprache Menopause genannt, endet der fruchtbare Lebensabschnitt der Frau. Bei einem Prozent der Frauen kommt dieser Zeitpunkt früher als erwartet, nämlich bereits vor dem Beginn des 40. Lebensjahres. Was steckt hinter der vorzeitigen Menopause und wie wirkt sie sich auf den Körper aus? In der Schweiz kommen Frauen durchschnittlich mit Mitte 40 in die Wechseljahre. Der Zyklus wird unregelmässig, die Blutung stärker oder sie bleibt auch mal monatelang aus. Oft leiden Frauen in der Abänderung an Brustspannen, Hitzewallungen, nächtlichen Schweissausbrüchen, Scheidentrockenheit, Verlust der Libido, Schlafstörungen, Antriebsschwäche, Stimmungsschwankungen oder Depressionen. Mit etwa 51 Jahren tritt im Schnitt die Menopause ein. Eine von 100 Frauen spürt die ersten Symptome der Wechseljahre deutlich früher, etwa Mitte 30. Ihr Vorrat an Eizellen erschöpft sich vorzeitig und ihr Körper produziert weniger weibliche Hormone. Von vorzeitiger Menopause spricht man, wenn die Funktion der Eierstöcke vor dem 40. Lebensjahr erlischt. Diagnose Ob die hormonellen Veränderungen schon eingesetzt haben, lässt sich laut Prof. Dr. med. Petra Stute, Leitende Ärztin und stellvertretende Leiterin der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Frauenklinik des Inselspitals Bern, wie folgt feststellen: «Neben den Symptomen und dem Blutungsprofil der Frau ist ein Bluttest aufschlussreich. Erniedrigte Östradiolwerte und erhöhte Werte des follikelstimulierenden Hormons FSH im Blut sind deutliche Zeichen dafür, dass die Wechseljahre bereits eingesetzt haben.» Ursachen In mehr als 75 Prozent der Fälle von vorzeitiger Menopause lässt sich keine Erklärung finden. Manchmal stecken eine Auto-Immunerkrankung, Viren (z. B. Mumpsviren), eine Stoffwechselstörung, eine familiäre Veranlagung, eine Chemo- oder Strahlentherapie oder – selten – ein Gendefekt dahinter. Die Entfernung von Endometrioseherden birgt das Risiko einer bleibenden Schädigung der Eierstöcke, sodass kein Eisprung mehr möglich ist. Müssen die Eierstöcke aufgrund einer Erkrankung entfernt werden, wird die betroffene Frau direkt in die Wechseljahre versetzt. Einflussfaktoren Heute weiss man, dass starke Raucherinnen ein erhöhtes Risiko für eine vorzeitige Menopause haben. Grund dafür sind laut Petra Stute die durch das Rauchen geschädigten Gefässe; dadurch wird die Blutversorgung der Eierstöcke beeinträchtigt. Sie fügt aber an: «Den Einfluss des Rauchens darf man nicht überschätzen. Studien gehen davon aus, dass der Nikotinkonsum die letzte Blutung um maximal zwei Jahre vorverlegen kann.» Schützende Massnahmen Stellt sich nun die Frage, ob Frauen ihre Fruchtbarkeit durch geeignete Massnahmen länger erhalten können? Petra Stute verneint: «Bis heute gibt es kein Medikament, das die Menopause hinauszögern kann.» Natürlich sei es gut, nicht zu rauchen. In Studien hat man zudem festgestellt, dass Frauen mit guter Bildung, die sozial eingebunden sind, eher später in die Wechseljahre kommen. Ein Blick in die Zukunft Theoretisch könnte man die hormonelle Veränderung des weiblichen Körpers aufhalten, indem man Frauen in jungen Jahren Eierstockgewebe entfernt und einfrieren lässt und dieses später wieder transplantiert. Petra Stute weiss, dass dies zurzeit im Tierversuch geprüft wird. Sie sagt: «Heute entnimmt man Krebspatientinnen mit Kinderwunsch Eierstockgewebe, um ihnen auch nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung eine Schwangerschaft zu ermöglichen.» Die Expertin könnte sich durchaus vorstellen, dass man in Zukunft auch Frauen ohne Kinderwunsch Gewebe transplantieren 44 Schweizer Hausapotheke 8-2019

könnte, um die Menopause hinauszuzögern. Dieser Eingriff müsste jedoch möglichst vor dem 35. Lebensjahr erfolgen, weil die Qualität der Eierstöcke danach stark abnimmt. Behandlung Frauen, die von vorzeitiger Menopause betroffen sind, müssen länger mit der Hormonmangelsituation leben als Frauen, bei denen das Klimakterium später beginnt. Studien haben gezeigt, dass Frauen, die bereits vor dem 45. Lebensjahr ihre Hormonproduktion verlieren, ein erhöhtes Risiko für Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und einen frühzeitigen Tod haben. Petra Stute empfiehlt betroffenen Frauen unter 40, eine Hormontherapie in Betracht zu ziehen, sofern keine Kontraindikation vorliegt. Sie erklärt: «Bei diesen Frauen steht die Prävention von gravierenden Gesundheitsproblemen im Zentrum.» Sie rät, die Hormonersatztherapie bis etwa zum 50. oder 51. Lebensjahr fortzuführen, also bis zu jenem Zeitpunkt, in dem Frauen normalerweise ihre letzte Blutung haben. Danach soll die Situation neu beurteilt werden. Risiken der Behandlung Die Hormonersatztherapie führt immer wieder zu heftigen Diskussionen. Diese betreffen jedoch den Einsatz der Behandlung bei Frauen, die bezüglich der Wechseljahre dem Durchschnitt entsprechen oder älter sind. «Bei älteren Frauen erhöht die Gabe von Östrogen plus Gestagen das Risiko für Brustkrebs nach mehr als fünfeinhalbjähriger Anwendung. Deshalb müssen hier die Vor- und Nachteile der Therapie sorgfältig abgewogen werden», erklärt Petra Stute. Bei Frauen, die von vorzeitiger Menopause betroffen sind, sähe die Sachlage hingegen ganz anders aus: «Hier überwiegen die Vorteile ganz deutlich.» Die Therapie wirkt sich bei diesen Frauen positiv auf das Herz, die Knochen, die Kognition, das Darmkrebsund das Diabetesrisiko aus. Bei Frauen nach einer Gebärmutterentfernung kommen Östrogene zum Einsatz. Ist die Gebärmutter noch vorhanden, gibt man zusätzlich Gestagene zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Östrogene in Kombination mit Gestagenen erhöhen nicht nur leicht das Brustkrebsrisiko, sondern – wenn sie als Tabletten geschluckt werden – auch das Thrombose- und Schlaganfallrisiko. Gesunde Frauen bis 50, die weder rauchen noch übergewichtig sind, können Östrogen oral zuführen. Frauen mit erhöhtem Risiko und Frauen über 60 sollten Östrogenpflaster oder -gel verwenden. Kontraindikationen Petra Stute rät Brustkrebspatientinnen von einer Hormonersatztherapie ab. In der Praxis führt diese Empfehlung jedoch immer häufiger zu Diskussionen. Die Fachfrau erklärt: «Es gibt Sondersituationen, wie zum Beispiel bei erblich bedingtem, triple-negativem Brustkrebs. Diese Frauen erhalten im Rahmen der Krebstherapie keine anti-östrogene Therapie, will heissen, sie haben mitunter normale Menstruationszyklen. Wenn nun bei einer Frau mit erblich bedingtem Brustkrebs aus rein präventiven Gründen die Eierstöcke entfernt werden (da ihr Eierstockkrebsrisiko aufgrund der Genmutation auch erhöht ist), dann befindet sie sich von jetzt an gleich nach der Menopause. Es ist unklar, ob bei diesen oft sehr jungen Frauen eine Hormonersatztherapie trotz Brustkrebsrisiko gegeben werden kann oder nicht.» Einfluss auf die Psyche Für die meisten Frauen ist die vorzeitige Menopause ein Schock, vor allem, wenn sich ihr Kinderwunsch noch nicht erfüllt hat. Oft sind sie nicht nur traurig darüber, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen können, sondern haben auch Angst, den Partner, der sich vielleicht noch Kinder wünscht, zu verlieren. Kinderwunsch Wenn die Diagnose prämature Ovarialinsuffizienz gesichert ist, haben Betroffene kaum realistische Chancen mehr (weniger als 5 %), auf natürlichem Weg schwanger zu werden. In der Schweiz ist die Eizellspende im Gegensatz zur Samenspende verboten. Für betroffene Frauen bedeutet dies, dass sie sich ihren Kinderwunsch nur mit einer Adoption legal erfüllen können. Viele betroffene Paare lassen sich deshalb in anderen europäischen Ländern behandeln, in denen Eizellspenden erlaubt sind. Susanna Steimer Miller Prof. Dr. med. Petra Stute, Leitende Ärztin und stellvertretende Leiterin der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Frauenklinik des Inselspitals Bern. FRAGEN ZU ZAHNIMPLANTATEN? www.implantatstiftung.ch oder 031 311 94 84 Schweizer Hausapotheke 8-2019 45

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