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Nr. 6 September/Oktober 2017

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Hirn oder Herz? | Entschleunigung | Starke Bären

Entschleunigung

Entschleunigung Gemächlich schlendern und langsam bummeln beruhigt den Körper und stärkt den Geist. Man könnte fast glauben, die Erde drehe sich heute schneller als früher. Die Menschen sind fast immer in grosser Eile. Zeitnot ist in Mode, sogar bei den Rentnern. Wer sich nicht sputet, der ist nicht besonders gefragt. Alle sind unermüdlich in Bewegung und haben deshalb für nichts so richtig Zeit. Man wandert nicht der Bergkulisse wegen, sondern um grosse Steigungen bewältigt zu haben. Man fliegt um die halbe Welt, um danach mit seinen Ferienerlebnissen prahlen zu können. Nicht einmal die Gedanken stehen je still. Unaufhörlich sucht der Mensch nach Möglichkeiten Zeit für die wichtigen Dinge zu sparen. Doch was ist wirklich wichtig? Wissenschaftler stellten diese Fragen einigen Menschen ganz am Ende des Lebens, und ihre Antworten sind sehr aufschlussreich. Wirklich wichtig ist, das eigene Leben gelebt zu haben, nicht auf andere zu hören, nicht der Mode nachzueifern, sondern das zu verwirklichen, was man selbst will. Sterbende Menschen bedauern zu viel gearbeitet und sich zu oft Sorgen über Nichtigkeiten gemacht zu haben. Am Ende des Lebens bedauern viele, sich nicht mehr Zeit dafür genommen zu haben, einfach nur glücklich und zufrieden zu sein. Zeit ist nicht gleich Zeit Wir eilen durchs Leben und die Lebenszeit fliesst dahin wie ein sprudelnder Bergbach ins Tal. An allen Enden und Kanten versuchen wir Zeit zu sparen, um mehr Zeit zu haben. Aber Zeit wofür? Kinder wünschen sich sicherlich nicht mehr Schulzeit, sondern möglichst viel Zeit zum Spielen. Erwachsene sehnen sich nicht nach längeren Arbeitszeiten, sondern nach mehr Zeit bei der Arbeit. Kranke wün­ 26 Schweizer Hausapotheke 6-2017 schen sich keine Verlängerung der Rekonvaleszenz, sondern eine schnelle Genesung. Wartezeiten sind zu lang und die Urlaube immer zu kurz. Zeit ist eben nicht gleich Zeit. Wir möchten die eine Zeit in die Länge ziehen und andere verkürzen. Nicht einfach mehr Lebenszeit, sondern sie muss mich schneller der Karrierespitze näher bringen, schneller zum Ziel führen und mehr Freizeit bringen. Und weil wir immer mehr in kürzester Zeit tun wollen, müssen wir Zeit sparen. Vermutlich ist das Zeitsparen einer der beliebtesten Zeitfresser, und für nichts anderes investieren wir mehr Zeit. Dabei haben wir vergessen, dass wir heute sehr viel mehr Lebenszeit und Freizeit haben als die Generationen vor uns. Und da wir weniger arbeiten, sind wir weniger müde und gestalten die Freizeit sehr viel aktiver. Die einen flitzen mit dem Rad durch halb Europa und andere wetteifern um die ausgefallensten Feriendestinationen weltweit. Da bleibt nicht viel Zeit für Ruhe und Erholung. Böse Zungen könnten gar behaupten, nicht die Arbeit verursache Stress und Burnout, sondern die ruhelos verbrachte Freizeit. Selbst wenn der Feierabend ein bisschen Ruhe bringt, mindestens am Wochenende muss so richtig was los sein. Bremsen oder beschleunigen? Das Mass aller Dinge ist das Mittelmass. Mindestens was die Eile und Weile betrifft. Zu viel Hektik und Stress, das ist heute allgemein bekannt, schadet der Gesundheit. Die Zeitungsnachrichten sind voll davon. Der arbeitende Mensch soll permanent überfordert sein, überarbeitet und ausgebrannt. Von der Langeweile hingegen spricht selten jemand, obwohl diese ebenso schädlich ist. Nicht die Zeit an sich stresst uns, sondern Gefühle, die wir bei den Tätigkeiten empfinden. Niemand hat zu viel oder zu wenig Zeit für etwas. Es sind unsere Gedanken, welche diese Schwerpunkte setzen. Durch unsere Vorstellungen und Werte ist die eine Zeit wichtig und die andere reine Verschwendung. Es macht dabei keinen Unterschied, ob es die Arbeitszeit oder die Freizeit betrifft. Wer zum Beispiel gern kocht, dem ist die dafür aufgewendete Zeit ein Vergnügen. Ist Kochen unser Hobby, so nehmen wir uns gern Zeit, etwas besonders Leckeres auf den Tisch zu zaubern. Wir geniessen die Kochzeit, sie ist uns Erholung, Abwechslung, Freude und Ausgleich. Die Vollzeit-Hausfrau hingegen betrachtet das Kochen vielleicht als mühsame Arbeit und lästige Pflicht. Tagtäglich überlegt sie sich, wie sie die hungrigen Mäuler stopfen könnte, und es fällt ihr nichts Kreatives dabei ein. Sie brutzelt schnell was zusammen, um sich rasch wieder angenehmeren Tätigkeiten zuwenden zu können. Sie ist beim Kochen in Eile und gestresst. Nicht die Zeit fehlt ihr, sondern das Interesse. Solche Hausfrauen langweilen sich nämlich vor dem Kochherd. Ganz gleich, ob wir uns langweilen oder zu wenig Zeit für etwas haben, wir fühlen uns dabei gestresst. Zeitnot ist ein unangenehmes Gefühl. Auf die Dauer macht das krank. Stressgefühle zeigen uns, dass wir mit unseren Werten nicht gut haushalten und nicht in der Mitte liegen. In der Mitte zwischen interessanter Herausforderung und langweiliger Unterforderung. Sind beide in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, fühlen wir uns wohl, gelassen und

undum gesund. Das beste Gemisch von Ruhe und Herausforderung ist für jeden Menschen ganz individuell. Doch viele eilen dermassen schnell durch ihr eigenes Leben, dass sie gar nicht mehr wissen, was ihnen wirklich gut tut. Mal ganz langsam Die Adeligen früherer Zeiten pflegten zu flanieren. Sie hatten alle Zeit der Welt. Sie schlenderten die Champs-Elysées entlang, die beliebte Prachtstrasse von Paris. Sie beobachteten die hübschen Damen, die mit der Kutsche die Allee entlang ratterten und man winkte sich. Man flanierte, um zu sehen und gesehen zu werden. Der Flaneur trieb ziellos durch Strassen und Gassen. Nicht nur das Wort flanieren ist veraltet, auch das gemächliche Gehen. Wir schlendern und bummeln nicht mehr. Das gemütliche Gehen ist aus der Mode gekommen, doch das ist ein grosser Verlust. Zugegeben, wer langsam geht, der kommt weniger schnell ans Ziel. Hier aber ist das Ziel gerade nicht das Ziel. Der Spaziergang ist der ideale Tapetenwechsel und für alle gut, denen demnächst die Decke auf den Kopf fällt. Ziellos umherschlendern und achtsam die Umgebung betrachten ist beste Medizin gegen Zeitnot. Langsames Gehen ermöglicht, all das wahrzunehmen, was wir in der Eile übersehen. Ein Stadtbummel ist wie eine gute Lektüre. Die Bewegungen der Menschen und das Verhalten der zahlreichen Gäste in den Strassencafés sind Geschichten, die Spannendes preisgeben. Beim genauen Hingucken erkennen wir zum ersten Mal den antiken Türklopfer an einer modernen Eingangstüre. Auf dem Fenstersims steht eine herrlich blühende Orchidee. Jetzt bemerken wir sogar den kleinen Hund auf der Dachterrasse, der aufmerksam auf das Treiben hinunterschaut. Im Vorgarten entdecken wir eine alte Waschmaschine, die, liebevoll mit Kräutern bepflanzt, eine vergangene Epoche in Erinnerung ruft. In Städten wimmelt es von Schaufenstern mit Auslagen, die uns, oft kunstvoll arrangiert, zum Kaufen animieren. Was es da nicht alles zu entdecken gibt! Dafür aber haben wir keine Zeit; denn während dem Gehen müssen wir die Nachrichten auf dem Handy lesen. Mehrere Sachen gleichzeitig tun ist eine moderne Schlüsselkompetenz und heisst Multitasking. Um unseren Körper fit zu halten, joggen wir mit Musik in den Ohren durch den Wald, so dass wir bestimmt kein Eichhörnchen davonhuschen hören. Machen wir jetzt doch mal langsam – und nehmen wir die Dinge wahr, die beim sportlichen Rennen gänzlich verborgen bleiben. Betrachten wir die Libelle, welche über den Tümpel flitzt und den Rothalsbock, der sich von den Pollen der Margeritenblüte nährt. Hören wir das fröhliche Gezwitscher der Vögel oder das unter unserem Gang raschelnde Laub. Wir trainieren damit unsere Wahrnehmung der Zeit, üben das Gefühl des Zeithabens. Wir entschleunigen auf diese wohltuende Weise Körper und Geist. Die Neurowissenschaft hat es nachgewiesen: Flanieren, bummeln und schlendern wirkt beruhigend und steigert unser Denkvermögen. Judith Dominguez Diplom Biologin, Pflegefachfrau HF und Diplom in interdisziplinärer Gerontologie Flügge Kieselerde Sprödes Haar? Brüchige Nägel? Wichtiger Aufbaustoff für kräftiges Haar und Nägel, glatte Haut, straffes Bindegewebe. Flügge hochaktive Kieselerde hat einen unübertroffen hohen Gehalt an Kieselerde (100 Prozent) mit 87 Prozent Kieselsäure und anderen natürlichen Mineralien. Anwendung: als Kur Erhältlich in Reformhäusern, Drogerien, Apotheken und MÜLLER Reformhaus Vital Shops Vertrieb für die Schweiz Schellenberg- Reformprodukte engros 8600 Dübendorf Schweizer Hausapotheke 6-2017 27

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